Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1862)
- Article
- Pädagogische Plaudereien
- Date
- 1862-10-01
- Page
- 20 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Pädagogische Plaudereien. 20 scheu und auf Menschen, und gottlob ich kann nicht eben sagen, wir seien, sie und ich, übel dabet gefahren." Die Bewahrung einer guten Meinunng von den Menschen, die unser Rabbiner hier, wegen ihres glücklichen Erfolges als eine Regel der Weisheit, oder wenn man will der Klugheit empfiehlt, ist aber für den Erzieher in seinem Wirken auf die ihm anvertrauten Zöglinge eine wahre Nothwendigkeit, ja die gute Meinung von den durch ihn zum Guten zu erziehenden Kindern ist nicht nur ein nothwendiger Kanon für seine Behandlung derselben, sondern sie muß für ihn mehr als das, sie muß für ihn wahre, aufrichtige lieberzeugung sein, oder er taugt nichts für das große, schwierige Erziehungsgeschäft. Weh' dem Erzieher und dem Zögling, wenn in der Brust des Ersteren bereits der Stab über das Kind gebrochen, wenn er es, als ״schlecht", schwarz in seiner Meinung anstreicht und naturgemäß dann auch nicht umhin kann, diese seine schlechte Meinung von ihm in Rede und Behandlung an den Tag zu legen. Den ״schlechten" Knaben wird kein Erzieher bessern, den ״schlechten" Sohn kein Vater und keine Mutter noch zum Guten umwandeln. Mit der schlechten Meinung haben sie alle Kraft und Fähigkeit dazu etngebüßt, und ihre von einer schlechten Meinung ausgehende und beeinflußte erziehliche Behandlung wird den Sohn nur schlecht und schlechter machen. Alle Besserung seiner Selbst und Anderer beruht aus dem unverwüstlichen Glauben an einen bei Jedem vorhandenen sittlichen Grund, an eine für Jeden vorhandene Veredlungssähigkeit bis zur höchsten sittlichen Vollendung, alle sittlich bildende Arbeit an uns selbst und Andern beruht auf dem unverwüstlichen Glauben an unsere und ihre bessere Zukunft. Wir sollten uns daher wohl hüten diesen Glauben in uns, vor Allem uns hüten ihn in unfern Zöglingen auch nur zu erschüttern; es sollte diese Besorgniß auch gar sehr unser Benehmen und unsere Aeußerungen gegen und über unsere Zöglinge controlliren. ״Du bist ein Taugenichts!" ״Du bist ein Lügner!" ״Du bist ein Dieb!" sind gefährliche Worte, die —, wiederholt gebraucht — manchen schon zum Taugenichts, zum Lügner, zum Diebe machen können. ״Da hast du wie ein Taugenichts gehandelt!" ״Da hast du gelogen!" ״Da hast, oder da hättest du ja gestohlen!" wirkt ganz anders, und; ״da hättest du ja wie ein