Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 12 (September 1862)
- Article
- Jüdische Welt- und Lebens-Anschauungen
- Date
- 1862-09-01
- Page
- 567 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mische Welt- und LevenS-Auschauunge«. VIII. 567 mehrt. Sonst hättet ihr wohl Kinder erzeugt, allein ihr selber wäret im Leben vereinzelt geblieben und mit eurem Tode stürbet ihr aus. Erst indem Abraham und Sara cs verstanden, sich in ihren Kindern und Nachkommen zu wiederholen, daß viele Abrahame und viele Sara's ihnen nach emporbliihtcn, erst dadurch haben sie sich wahrhast durch ihre Kinder und Nachkommen vermehrt. Die Aufgabe רמ fügt somit zu der in ms gegebenen Ausgabe der Kindcrerzeug un g die höchste einem Menschen gegebene Aufgabe der Kinder erziehung. Bildung und Erziehung wird hier somit als ein ״Sichvervielfältigen", ein ״Sich-wiederholen" des Erziehers und Meisters im Zögling und Jünger begriffen, indem die Erziehung und Bildüng bemühet ist, die geistigen und sittlichen Fähigkeiten und Fertigketten, Erkenntnisse und Grundsätze, Besttzthümcr und Eigenthümltchleiten, kurz das Edelste und Beste der geistigen und sittlichen Perfönlichkcit des Erziehers und Bildners zu gleicher intensiver und extensiver Größe und Art in dem Schüler und Zögling zu entwickeln und zu festigen, Schüler und Zögling zum Ebenbilde des Erziehers und Meisters zu machen, somit in Wahrheit ihn im Schüler und Zögling zu wiederholen. Daß der Wurzel רבה der Begriff Bildüng und Erziehung innewohnt, ist ohnehin durch Bezeichnungen wie חרבות אגשים חטאים Zucht sündiger Menschen, רובה קשת Bogen-Schützen-Mcister gegeben. Vielleicht liegt anch dem Titel רבי, mit dem wir den Lehrer und Meister bezeichnen, dieselbe Wurzel und derselbe Begriff zu Grunde. Die Wurzel רבה steht in Lautverwaudtschaft mit רפה losewerden, lockerwerdcn, schwachwerden, so auch mit רוח durchtränkt werden, und tritt damit eine Anschauung zu Tage, die in dem Vervielfältigen zu gleicher Zeit eine Schwächung des Vervielfältigten erblickt. Während für den Begriff Erziehung sich hiemit die Notiz ergeben möchte, daß von dem Erzieher nicht eine starre Härte, svnder« bei aller Festigkeit, die andererseits dem specistschen Erziehungsbegriff;אם innewohnt, von ihm eine sich selbst verleugnende Hingebung an der! Zögling und, dessen Interessen erwartet wird, so dürfte sich zugleich hier vielleicht der Weg zum Verständntß einer Eigenthümlichkeii des jüdischen Sprachgsdankens stnden, die sich sonst jeder Erklärung ans irgend welcher Analogie spröde entzieht. Wir