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Jeschurun · 1862-09-01 · Heft 12 (September 1862) · p. 566

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 12 (September 1862)
Article
Jüdische Welt- und Lebens-Anschauungen
Date
1862-09-01
Page
566 (sequence 2)
Language
German
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566 Mische Welt- und Lebens-Anschauungen. VIH. denheit zu Grunde. Wie somit in פרי, in der Frucht, die Pflanze die in ihr schlummernden edelsten Keime, Kräfte und Säfte zur Gestaltung einesvonihr abgelöflcn, selbstständig gewordenen Pflanzen- Individuums hinausgiebt: so ist פוץ, die Anforderung an איש und אשה die in ihnen schlummernden edelsten Kräfte und Keime in Gestaltung eines dritten selbstständigen Menschenwesens äußerlich werden zu lassen, in welchem die edelsten beiderseitigen leiblichen und geistigen Eigentümlichkeiten zu einer neuen Individualität vereinigt erscheinen. Die Erfüllung dieses פרו ist aber nur erst die Lösung der einen und geringen Hälfte der großen Aufgabe des mcnschen-geschlcchtlichm Lebens. Ihre zweite, größere und bedeutsamere Hälfte heißt רפו, und erst dieses רפו, als Ziel und Zweck des פרו von vorn herein begriffen und beabsichtigt, macht das פרו zur großen freien stttlichen That, und verleiht dem geschlechtlichen Leben den göttlichen Adel der reinsten und höchsten Menschenbestimmung. Selbst einfach als bloße ״-Vermehrung" begriffen, enthält die Anforderung רפו eine unendliche Mannichsaltigkcit von Aufgaben, in deren Lösung die gottähnlichsten Seiten des Menfchcuwesens und der Menscheubestimmung zur Entwickelnng kommen. Mit der Geburt des Kindes ist 18ר erfüllt; allein, daß die Geburten auch nur numerisch eine Ver- Mehrung, ja auch nur eine Erhaltung der Menschenzahl bewirken sollen, muß das geborne Kind von einer Eltern-Pflege der hingebendsten, aufopferungsreichstcn Liebe ausgenommen werden, ohne die es hülflos verkümmerte. Die vollendete Hnlflosigkcit dcs ncugeborcnen Menschen-Kindes ist der sprechendste Beweis für den Beruf dcs Menschen zur freien sittlichen That. Auf diese freie, sittliche That hat der Schöpfer gerechnet, daher sein edelstes Geschöpf in solcher vollendeten Hülflosigkeit das Dasein auf Erden eüitreten läßt. Allein die Aufgabe רפו, voller erwogen, gisbt dieser Anforderung einen noch höher«, bedeutsameren Anhalt, und macht nicht nur die physische Existenz, sondern die ganze sittliche und geistige Eutwickelung des werdenden Menschen von ihrer Lösung abhängig. ״Vervielfältigt Euch!" lautet diese Anforderung, ״Wiederholet euch in euren Kindern 3" ״Macht sie zu geistigen und sittlichen Ebenbildern rnser Selbst!" Erst dann habt ihr euch wahrhaft durch eureKinder ver-

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