Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 11 (August 1862)
- Article
- Judenthum und Civilisation
- Date
- 1862-08-01
- Page
- 552 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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552 Judenthum und Clvillsatiou. uns nicht ein einziger Gott geschaffen? Warum sollen wir denn 1; schlecht handeln einer gegen den Andern, und entweihen den Bund unserer Voreltern?" Nehmt euch doch die Mühe das Judcnthum kennen zu lernen, und ihr werdet zu eurem Erstaunen erkennen, wie die Gesinnungen die ihr so eben getadelt, die Grundsätze die ihr soeben verdammt, die Principten die ihr mit dem Banne belegt, den ihr gegen sie geschleudert, gerade diejenigen sind, die zu verbreiten ihr euch zum Ruhm anrechnet und die ihr für das Palladium der Menschheit haltet." Ihr werfet dem Judcnthum vor, aus den Juden ״einen Staat im Staate" zu bilden. Sprecht ihr von den Ländern, wo die Juden in Ghettis eingepfercht, dem Hasse, der Verachtung, den Quälereien einer fanatisirten Menge preisgegebcn, in Mitten einer verhältnißmäßig glücklichen und prosperirenden Bevölkerung, eine bemitlcidenswerthe Anzahl bilden, die eS verschmäht um den Preis der Apostasie ihr Glück Und ihre Freiheit zu erkaufen? Habt ihr den Muth sie deshalb zu tadeln? Israel hat selbst in seinen schlechtesten Tagen niemals sein Ohr den feigen Eingebungen der Verzweiflung geliehen, und fand sein Glück immer zu theuer, wenn um den Preis seiner Religion, seines Gewissens erkauft. Sprecht ihr von den Ländern wo die Juden cmancipirt sind? Dann sagt uns doch gefälligst worin sie einen Staat im Staate bilden? Sind sie nicht wie die übrigen Bürger von denselben Gesetzen regiert, denselben Pflichten unterworfen, tragen sie nicht dieselben Lasten, erscheinen sie nicht vor denselben Trtbunatzn, dienen sie nicht unter denselben Fahnen? ״Aber, sagt ihr, sie hoffen ihre י Rückkehr nach Jerusalem", da ist denn das große Wort! Aber machen sie denn materielle Anstrengungen, thun sie Schritte ihre Reetablirung zu beschleunigen? Oder kennen sie wenigstens den Moment wo dieses Ereigniß stattfinden wird? Nein, dieser Moment ist ihnen ebenso unbekannt wie für den Gläubigen derjenige, der ihm die Freuden des Paradieses bringen, für den Ungläubigen derjenige, der ihn dem Nichts zurückgeben wird. Wenn also weder jener gegen sein Vaterland gleichgültig wird durch die Hoffnung auf den Himmel, noch dieser durch die Aussicht auf das Grab, warum würde cs der Jude werden durch die Erwartung des Messias?