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Jeschurun · 1862-08-01 · Heft 11 (August 1862) · p. 550

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 11 (August 1862)
Article
Judenthum und Civilisation
Date
1862-08-01
Page
550 (sequence 9)
Language
German
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550 Zudenthum und Civilisation. welcher der Gesalbte des Herrn bekleidet sein wird, wird ihn allen Völkern der Erde kenntlich machen (Jes. XI. 2). Der Hauch seines Mundes wird ein Ende machen der Herrschaft des Bösen, der Unwissenheit und des Jrrthums (Jbid 4) und alle Nationen der Erde, erleuchtet von dem aus dem Sinai offenbarten Lichte, in Herz undSeele geeinigt durch einen Geist der Liebe und Wahrheit, werden nur einen Glauben, haben, werden nur den einigeinzigcn Gott anrusen. (Zach. XIV. 9; Zeph. III. 9; Jes. II. 2, 3; Mich. IV. 2, 3) dessen Tempel, geöffnet jedem Adamsohne, in Jerusalem wieder aufgerichtet sein wird (Jev. l. c.)״ Ist das nicht das Ziel eurer edelsten Bestrebungcn? Ist das nicht der höchste Ausdruck der vollendetsten Civilisation? Und doch haben die Alten Unrecht; sie haben Unrecht wiewohl sie dieselben Bestrebungen, dieselben Grundsätze, dieselben Hoffnungen wie ihr habt, und deßhalb ist es, das ihr dem Nationalismus Kränze windet, daß ihr seinen vermeintlichen Triumphen Beifall zollt und sagt: ״die von Mendelssohn gepredigte Reform breitet sich zu gleicher Zeit in ganz Europa aus, die Fahne des Rationalismus wirb hoch und fest gehalten von den gebildeten und emancipirten Juden aller Länder, die anerkennen und es offen aussprechen, daß ein französischer, englischer, deutscher oder polnischer Jude, nicht zu gleicher Zeit ein guter Talmudist und guter Bürger sein kann." Wir wollen euch nicht bestreiten, daß das Judenthum unter seinen Söhnen einige Feige und Unwissende zählt, die fähig wären eine solche Sprache zu führen. Aber wie scheut ihr euch denn nicht ihnen Mendelsohn zuzugesellen? Wie habt ihr es wagen können, ihm solche Lehren zuznschrctben? Habt ihr denn niemals seine, Briefe an Lavater und Kelbele gelesen? Seht ihr nicht wie sein großer Schatten sich auf seinem Grabe gegen eine so unbegründete Zumuthung erhebt/ um euch zu erwidern, im gerechten Unwillen und in der Bitterkeit seiner Seele: ״Warum kommt ihr meine Asche zu stören, mein Lehen anzuschwärzen, mein Gcdächtniß zu schmähe»? War denn mein Leben nicht eine stete Besiegelung meiner Religion? Wenn es nicht mehr euch vor Augen ist, so bleiben ja meine Schriften. Weisei mir.eine einzige Sette, eine einzige Linie, ein einziges Wort, das nicht das Siegel meiner treuen Anhänglichkeit an dasvJuden-

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