Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1862)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1862-07-01
- Page
- 492 (sequence 12)
- Language
- German
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492 Zur Geschlchie der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert ic. deren Orten der Grafschaft Savoyen sich befindende, sowohl von Inden als Christen ergangen, welche auch schon wegen dieses überaus großen Verbrechens abgestraft worden" bedauert er jedoch nicht mitschicken zu können, da er sie ״vor itzo nicht bey Händen gehgbt und nicht mttschicken fSnneit"27). Er theilte ihnen zugleich mit, daß diese Anklagen gegen die Juden auch durch Aussagen von Christen beglaubigt seien, die selbst eingestandcn, von den Juden empfangenes Gift in mehreren Orten in die Brunnen gelegt zu haben. So seien an mehreren Orten, besonders in A u gst (in 01 vitato Auguste) tnEvian Genf, Krusilien und Hochstett deßhalb ״dieser Christen etliche geviertheilt, etliche geschunden und auffgehenkt worden". Regterungs- Commissaricn seien in die einzelnen Ortschaften zur Abstraffung der Juden abgesandt von denen er glaubt ״daß keiner überbleiben wird." Artikel seien wegen dieser Unthat wieder das ganze Judenthum aufgesetzt und Protokolle über die ״wieder die Juden sich ereignenden indicien und Anzeigungen, so er aber nicht mitschickt, weil es noch nicht vollendet ist"22). Diese wiewohl nach mittelalterlicher Justiz in Form allen Rechtes und Urtheils erfloffenen Bekenntnisse der Märihrer in der Schweiz, genügten dem Rathe von Straßburg noch nicht, und er beschloß, sich noch weiter zu erkundigen. Jnzwischeu war auch Wohl die Nachricht von der Judenmetzelet in Bern, welches ebenfalls eine Abschrift der Protokolle von Chillon und Castel erhalten hatte, die gewiß mit zum Ausbruche des Zudenkravalls dort beigetragen, nach Straßburg gelangt. Der zeitgenvssische Königshoven berichtet nämlich, nach den Vorfällen in Zovin? gen und Bern und vielen andern Städten ״verschriest man dise Geschicht gen Straßburg, Freiburg und Basel das sü ireJuden such soltent verburnen". Der Rath suchte aber noch die Juden vor Gewaltthaten zu schützen und meinte ״man solte den Juden nütz nüt thun"22). In seinem Antwortschreiben scheint er sich jedoch selbst nach Bern um nähere Aufklärung über die dortigen Vorgänge gewandt-zu haben. Bern schickte ihnen darauf um allen Anforderun- 21) Der Brief des Castellans fallt wahrscheinlich November 1348. S. Geleitschreiben re/Jeschurun VII. 270, 271 und 283. 28) S. ebendaselbst. 22) S. den vollständigen Bericht Königshovens weiter unten.