Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1862)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1862-07-01
- Page
- 491 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932905-2932916-2947050--07562-2947112- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von Dr. M. Ralph. 491 schuldtgungen den legalen Boden darboten, und daß ihnen ein großer Anthetl für die Wettexverbreitung der Judenverfolgungen zugeschriebe» werden muß, haben wir bereits erwähnt. Auch nach Straßburg war die Kunde von ihnen gedrungen, und trug gewiß nicht wenig zur Aufregung der Gemüther gegen die Juden bei. Wie wir jedoch auch im ganzen spätern Benehmen der Straßburger Be- Horden, eine lobenswerthe Mäßigung und das Bemühen, die Juden gegen ungerechte Beschuldigungen in Schutz zu nehmen erkennen werden, so tritt uns auch jetzt schon das redliche Bemühen entgegen, vor allem durch auswärtige Berichte sich Klarheit über das den Juden angedichtete Verbrechen zu verschaffen- Die Correspondenz, die sich darüber zwischen Straßdurg und mehreren andern Städten entspann, bildet die Hauptquelle für die Geschichte jener Ereignisse, und verlohnt es sich wohl der Mühe sie, so wett es möglich ist, chronologisch darznlegen, um so auch einzelne Züge zu gewinnen, die die noch immer nicht klar enthüllten Fäden der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert aufhellen, und uns die Genesis der erst in das folgende Jahr fallenden wirklich grauenerregenden Judenmassaere zu Straßburg näher beleuchten können. Kaum war also die Kunde von den Vorgängen am Genfersee gerüchtweise nach Straßburg gelangt^), und hatte dort die, durch das immer weitere Umsichgreifen der Seuche in Schrecken gesetzten Gemüther, gegen die Juden als die muthmaßlichen Urheber derselben gewiß, in hohem Grade erregt, als der Rath beschloß, sich zu seiner Jnsormirung über die noch vagen Berichte, an die Urquelle selbst zu wenden, und so schrieben sie an den Castellan von Chillon um nähere Mittheiluugen über die zu Tage geförderten Bekenntnisse der in dortiger Gegend aufgegriffenen und gerichteten Juden. Der sich ״mit aller Dienstfertigkeit und Ehrerbietung empfehlende" würdige Castellan beeilte sich diesem Ersuchen durch die Einsendung der Copie einiger Verhöre und Gerichtsprotokolle zu entsprechen. Sämmtliche ״Beschuldigungen und Beweisthümer wieder besagte Juden und andere in an- Ende Oktober oder November 1848.