Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1862)
- Article
- Thamus
- Date
- 1862-07-01
- Page
- 465 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Pädagogische Plaudereien. 465 tausend gegen Eins, fortsetzen werden weil ihnen diese Lebensweise zur andern Natur geworden, sie eS gar nicht begreifen können, wie man nicht Chocolade frühstücken und mit Gänsebraten dmiren und alle Vergnügungen mit machen müsse — wie ist es anders möglich, als daß sie'sittlich und social zu Grunde gehen werden? Unsere Regel lehrt reiche Eltern, ihr Vermögen mit der Zahl ihrer Kinder zu dtvtdtren, und in ihrem Hause nur eine solche Lebensweise zu pflegen, hie ihre Kinder einst bei deren voraussichtlich viel bcscheidenern Vermögenskräften fortzusetzcn im Stande sein werden. Warum ist N. N's Sohn sofort als er, der väterlichen Obhut und dem elterlichen Hause entlassen, in die sogenannte Welt eintrat, als Lehrling, als Commis ein lockerer, vergnügungssüchtiger, leichtsinniger Mensch geworden, und hatte doch in väterlichem Hause nur Gutes vor sich gesehen, hatte dort nie den Reiz vergnügnngssüchtiger Genüsse gekostet, war vielmehr mit ängstlicher Sorgfalt von allen mehr als nothwendigen Genüssen, von Gesellschaften, von Bällen, von Theater, Concerten 1c. fern gehalten worden, hatte ja überhaupt nur ein Leben des höchsten Ernstes, der strengsten Gewissenhaftigkeit, der unausgesetzten Thätigkeit und Pflichtübung kennen gelernt, — woher diese plötzliche Umwandlung, dieses völlige Umschlagen ins Gegentheil? Woher? Eben daher, woher es euch Wunder nimmt. Eben weil die übrigens höchst braven Eltern doch leider so kurzsichtig waren, völlig zu vergessen, daß doch ihr Kind nicht immer bei ihnen, nicht immer unter elterlicher Aufsicht und in der Umschraukung des elterlichen Hauses bleiben werde, daß doch jede elterliche Erziehung vielmehr das Kind für das einstige aussichtslose Leben in der Welt zu erziehen, und darum so zu erziehen habe, daß ihm diese Welt nicht neu sei und durch ihre Neuheit nur um so verlockendere Netze biete, kurz, daß, weil die Welt, in welcher unsere Kinder einst sich bewegen werden, ihnen Arbeit und Genuß bieten wird, wir sie nicht nur arbeiten, sondern auch genießen, den sittlichen und mäßigen Genuß erlaubter Freuden lehren und sie schon an der Hand des elterltche» Beispiels und der elterlichen Leitung üben müssen, auch in der genießenden Welt sich zu bewegen und an ihren Vergnügungen theilzunehmen, ohne ein Haarbreit von der Pflicht zu weichen und ohne das Geringste von der sittlichen Lebensretnheit einzubüßcn. Das Haus,