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Jeschurun · 1862-06-01 · Heft 9 (Juni 1862) · p. 449

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 9 (Juni 1862)
Article
Altjüdische Frömmigkeit
Date
1862-06-01
Page
449 (sequence 6)
Language
German
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Das Buch der Frommen» 449 Fasten schwächt, lehren die Weisen, heißt ein Sünder. Wer aber sich durch Triebe und Leidenschaft bewältigt suhlt, der darf durch Fasten sie überwinden. Lehrer aber z. B. und im Dienste Anderer Arbeitende dürfen sich nicht durch freiwilliges Fasten ihre Kraft schwächen, weil sie dadurch ihre Leistungen schwächen. Wäre Gott das Fasten an sich wohlgefällig, so hätte er es uns geboten; allein er hat nur von uns gefordert uns in Demuth vor Ihm zu halten und ihn zu ehrfürchten. 30 (54). Es giebt einen Mord, den das sinnliche Auge nicht sieht, dessen Strafe aber außerordentlich groß ist. Es ist eine Sünde, die gar leicht geübt und doch gar schwer dort oben wiegt. Dieser Mord und diese Sünde heißt: Beschämung. Hast du Jemand in Gegenwart Anderer beschämt und gekränkt, wisse, baß ein schweres Unrecht auf dir lastet, das du sühnen mußt, denn du Haft das Blut deines Nächsten vergossen. Darum eile hin und suche deinen Nächsten zu beruhigen bis er sich beruhigt und dir verzeihe, und nimm dich künftig doppelt in Acht, Jemand zu beschämen und das Angesicht eines Menschen zum Erbleichen zu bringen. 31 (56). ״Unglückliche Arme nimm in dein Haus!" Gasisreihett üben ist größer als in Gott-Anschauung stehen. Abraham bat die sich ihm offenbarende Gottheit zu warten, bis er die Wanderer gastlich in sein Haus geführt. Jeder hat nur nach seinen Kräften diese Bewirthung zu üben. Aber auch Brod und Wasser, das er dem Gast reicht, gebe er ihm mit Freuden; denn ״besser eine Schussel Kraut und ein freundlich Gesicht dabei, als ein gemästeter Braten und verdrießliche Miene dazu." Und während dein Gast speist, sprich mit ihm und rede ihm freundlich zu, deinen Wein — oder dein Wasser zu trinken, sage ihm, Gott wisse es, du hättest ihm gerne Besseres gegeben, wenn du es nur vermöchtest. Davon heißt es: ״Reiche auch dem Hungrigen dein Herz!" Und am Morgen wenn dein Gast dich verläßt, so gieb ihm etwas mit auf die Reise. Hätte Jonathan David mit Brod beim Abschied versehen, es hätten sich nicht die Ereignisse so verkettet, daß die Prtesterstadt Nob ausgcschlachtet und Saul und Jonathan in Strafe gerathen wären. Davon läßt sich wahrlich sagen: ״Mancher Mann versündigt sich schwer um ein Stückchen Brod."

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