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Jeschurun · 1862-06-01 · Heft 9 (Juni 1862) · p. 448

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 9 (Juni 1862)
Article
Altjüdische Frömmigkeit
Date
1862-06-01
Page
448 (sequence 5)
Language
German
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448 Altjüdische Frömmigkeit. nehme, kein Faß anstechen, bas man ohnehin geöffnet hätte, wenn der Gast meint es geschehe ihm zu Ehren, und so alles : Aehnliche. Auch nur Ein Wort nicht gemeinter Freundlichkeit, ist Gentwath Daath und unrecht. Vielmehr wahrer Lippe, geraden Sinnes und von jeder Krümme und Tücke fern, reinen Herzens sei der Mensch, wahr und aufrichtig in allen seinen Beziehungen. 29 (81,52). Set nicht von vielen Worten; jage nicht nach Witz und Spott und vielem Scherz. Denn Scherz und Leichtstnn gewöhnen den Menscheu zur Sünde. Sei auch nicht traurig und verdrießlich, sondern komme Jedem heiter und freundlich entgegen. Habe nicht übertriebene Wünsche, strebe nicht nach vielem Reichthum; aber sei auch nicht faul und müßig, sondern genügsam und fleißig, dir Einiges zu erwerben und dich mit der Thora zu beschäftigen. Das Wenige, das dein bescheidenes Theil ist, damit sei heiter und vergnügt. Sei nicht streitsüchtig, nicht neidisch, nicht genußsüchtig; denn Neid, Genußsucht und Ehrsucht bringen den Menschen um seine Welt. Kurz, wandele in der Mitte eines jeden Temperaments und Charakters, und meide von Allem die entgegengesetzten Extreme. Daß du nicht etwa sagest, weil denn Neid und Genußsucht und Ehrsucht den Menschen um seine Welt bringen, will ich mich an das andere Extrem halten, wie z. B. kein Fleisch essen, keinen Wein trinken, keine schöne Wohnung, keine schönen Kleider haben, sondern mich in Sack und groben Kittel kleiden, und womit sonst der Mensch sich quälen konnte. Auch das ist der Unrechte Weg und Sünde, von der man sich ebenso entfernen muß. Hatte doch selbst der Nasir ein Sühnopfer dafür zu bringen, daß er sich durch Entsagung an sich selbst versündigt; und lehren daher die Weisen, wenn der Nastr, der sich nur den Wein versagt, darum Sünder heißt und sühnebedürftig ist, wer sich allen Genuß versagt um wie vielmehr! Darum lehrten die Weisen, daß wir uns nur diejenigen Dinge versagen dürfen, die uns die Thora verboten, und tadeln es sich durch Eid oder Gelübde erlaubte Dinge zu versagen. Hast du nicht genug an Dem, sagen sie, was dir die Thora verbietet, daß du dir auch noch Anderes verbietest?! Daraus folgt auch, daß diejenigen, welche im-!!; mer fasten, nicht auf gutem Wege sind. Wer sich durch freiwilliges

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