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Jeschurun · 1862-06-01 · Heft 9 (Juni 1862) · p. 447

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 9 (Juni 1862)
Article
Altjüdische Frömmigkeit
Date
1862-06-01
Page
447 (sequence 4)
Language
German
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I. Das Buch der Frommen. 44 7 27 (50). ״Der Fromme ißt um sich zu sättigen, der Nichtfrommen Bauch hat nie genug!י' Wie der Weise an seiner Weisheit und Wissenschaft zu erkennen ist und sich damit von den übrigen Menschen unterschetdet, so soll sich auch seine Weisheit in all seinem Thun erkennbar machen, in seinem Essen und Trinken, im geschlechtlichen Leben und Bedürfnißbefrtedigung, in seinem Gehen und Stehen, seinem Reden und Handeln; alles, was er thut, soll höchst anständig und gemessen sein. Im Essen z. B. wird er nicht Alles ohne Wahl und Maß verschlucken, sondern er ißt nur solche Speise, die sür seine Constitution am entsprechendsten ist, und auch davon ißt er nicht mehr als uöthig, sondern ißt sich nur etwa drei viertel satt, und wenn er ißt und trinkt, ist seine Absicht nicht nur ein starker, gesunder Mensch zu werden, sondern sich jene Kraft, Gesundheit und Heiterkeit zu erhalten, die nothwendig ist um Gott zu erkennen und zu verehren. Es ist ja unmöglich irgend wissenschaftlich nachzndenken wenn man krank ist, oder Schmerz hat. Und ebenso wünscht er sich nicht Kinder, damit diese ihm bei seiner Arbeit und seinem Geschäft helfen, sondern damit er seinen Sohn Thora lehren und vielleicht seiner Nation einen Weisen erziehen könne. Wer in dieser Weife lebt, dient Gott sein lebelang, selbst wenn er sein Geschäft betreibt, und das ist, was jener von Salomo gesprochene kurze, aber fast das ganze Gesetz bedingende Satz bedeutet: ״ ככל דרכיך דעהוin allen deinen Wegen erkenne Ihn!" 28 (51). Man darf sich keine unwahre Höflichkeit und erheuchelte Freundlichkcit angewöhncn. Sei nicht Eins mit dem Munde und ein anderes mit dem Herzen, sondern, wie dein Wort sei deine Gesinnung, und die Gesinnung des HerzenS spreche sich mit der Lippe aus. גגיבח דעת, Meinungs-Diebstahl, ist gegen Jedermann, und auch gegen den Nichtjuden ein Verbrechen. Wenn Jemand, z. B. indem er einen Nichtjuden grüßt, eine Schvlähung aussprechen würde, während der Gegrüßte meint, er habe ihm etwas Freundliches gesagt, der beginge eine große Sünde, denn es gäbe keinen größern Meinungs-Diebstahl als diesen! So darf mau auch Niemand mit Einladungen überhäusen wenn man weiß, daß sie doch nicht angenommen werden können, Geschenke senden, von dem man weiß, daß er sie doch nicht an- 30*

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