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Jeschurun · 1862-06-01 · Heft 9 (Juni 1862) · p. 446

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 9 (Juni 1862)
Article
Altjüdische Frömmigkeit
Date
1862-06-01
Page
446 (sequence 3)
Language
German
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446 AltWische Frömmigkeit. am Hunde, der seinem Herrn mit Treue ergeben ist, und lasse ihn vom Wiedehopf lernen, der ״weil er zu Salvmo's Zeit dem Genius des Meers in Bewahrung der Treue des Schwurs nicht Treue gehalten, sich erhänkt habe". Wenn man das von einem Thiere erzählt, das für seine Treue keinen Lohn und für seinen Treubruch keine Strafe zu erwarten hat, um wie viel mehr sollten wir kein Unrecht thun, keine Unwahrheit reden und in unser« Munde keine Zunge der Täuschung bergen, vielmehr Mund und Herz eins, und das Gepräge des Gottessiegels tragen lasse», das nichts anders als Wahrheit ist. So lehrten auch die Weisen: dein Ja sei wahr, dein Nein sei wahr, deine Winke und Mienen seien wahr, ob dein Haupt eine Bejahung neigt, ob es eine Verneinung schüttelt, alle Bewegungen deiner Glieder seien wahr. ״Nur in Geradtheit liebt man dich!" wie R. Teboth, dem man die Fülle der ganzen Welt hätte bieten kvnnen und er wäre in seiner Rede von der Wahrheit nicht gewichen. Wer es nicht treu meint in seiner Rede, ist dem Götzendiener gleich zu achten und seine Strafe unter Menschen ist, daß selbst, wenn er einmal die Wahrheit spricht, kein Mensch ihm glaubt. Wer aber Wahrheit und nur Wahrheit spricht, und Unwahres nicht einmal denkt, dessen Reden erfüllen sich in der Wirklichkeit, er spricht auf Erden und Gott giebt die Bestätigung vom Himmel, von ihm heißt es: Du thust einen Ausspruch und es erfüllt sich' dir. 26 (4s). ״Bösewicht", sprach Moses, ״warum willst du deinen Nächsten schlagen?!" Er hatte ihn noch nicht geschlagen, und schon das Hand- Aufheben machte ihn zum Bvsewicht. Wer, sprachen die Weisen, seinen Nächsten ohrfeigt, ist als hätte er den Streich gegen die Schechina geführt. Darum nimm dich wohl in Acht, daß du gegen keine Menschen, er sei klein oder groß, wenn nicht gegen deinen Sohn um ihn zu bessern, die Hand .aufhebst. Denke einmal, wenn Jemand zwei Frauen heirathen, und damit ja nur den Cherem des R. Gerschom übertreten würde, wie würde da alle Welt über eine solche Frechheit entrüstet sein, und wie laut und verdammend würde sich die Entrüstung äußern! Nun, weit, weit mehr als dieser versündigt sich, wer einen Menschen schlagt, oder auch nur die Hand gegen ihn aufhebt, und wäre es auch nur gegen ein Kind!

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