Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1862)
- Article
- Siwan
- Date
- 1862-06-01
- Page
- 427 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Pädagogische Plaudereien. 427 seinen Gliedern heilig wäre, wollte Gott schaffen, dessen Holzhauer und Wasserschöpfer in ganz gleicher Würdigkeit und Berufung in der heiligenden Bundesnähe Gottes stehen wie Fürst und Hohcpriester, und dessen jegliches Glied mit dem Holzbündel auf dem Rükken und dem Wassereimer auf der Schulter die höchste geistige und sittliche Vollendung austreben und erreichen soll,— kurz ein Volk, bei welchem das, was in andern Kreisen die Menschen in die mannichfachste Verschiedenheit des geistigen und sittlichen Bildungskatasters abstuft, bei welchem der sogenannte bürgerliche Beruf selbst nur in den einzigen, Allen gemeinsam nnd gleich ertheilten Beruf aufgcht: durch pflichttreue Erfüllung des göttlichen Gesetzes und durch unaufhörliche Arbeit an der eigenen geistigen und sittlichen Vollendung ״Priester und heilig" d. h. Jude zu sein und zu werden. Das ist unsere, das ist aller Menschen gottgewiesene Bestimmung, und um eine Ahnung von dieser, den Menschen-Adel in die niedrigste Hütte tragenden Bestimmung unter den Menschen zu wecken, und damit die Erlösung der Menschen von all dem Jammer und der Entartung anzubahnen, zu welcher die trostlose Zerfällung des Lebens und der Menschen unabweisbar führt, darum hat Gott Jissrael in Jiöreel verwandelt, hat uns hinausgestreut in ״die Wüste der Völker", hat über uns die härteste Probe des entgeistigenden Druckes und der entsittlichenden Beschränkung verhängt, und nun — da wir Jahrhunderte hindurch diese Probe vor den staunenden Augen der Welt glücklich bestanden und mitten in unerhörtester Mist- Handlung das geistig frischeste, sittlich edelste und — fügen wir hinzu — trotz Allem das innerlich glücklichste Volk geblieben; nun, da endltch eine Ahnung von dieser Menschcnerlösenden Bestimmung sich in dem Bewußtsein der Völker Bahn zu brechen und die Menschen allmälig zur jüdischen Anschauung des Lebens und der Menschenbestimmung vorzubcreiten beginnt; nun, wo wir der Erndtc jahrtausendlanger Mühen näher zu rücken scheinen und uns anschicken mußten bald die volle Saat jüdischer Weisheit und jüdischer Lebensersüllung in den harrenden Acker der Menschheit zu streuen — nun, so nahe am Ziel, sollten wir mit einem Male selbst an der eigenen Sendung irre werden, sollten Gottes Weisheit Thorheit, jüdische Pflichttreue Blödsinn und jüdische Heiligung Verrücktheit nennen, — sollten darum der Menschheit um so viel näher gerückt sein, nicht