Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1862)
- Article
- Siwan
- Date
- 1862-06-01
- Page
- 425 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Pädagogische Plaudereien. 425 ihrer Mutter eine Wacht und Huth, eine Wahrung dieses Gottes- Bundes war und ist — Wenn aber jüdische Mütter ihre Söhne zum Gehorsam gegen das Gesetz und zur Heiligung für den Gottes-Bund erziehen und, damit sie beides gewinnen, ״zur Thora führen", dann tritt die ״kluge" Zeit an sie hinan und schüttelt den Kopf und spricht: sollen denn eure Kinder alle Theologen und Geistliche werden? Kann man denn mit diesen das Leben umgarnenden Gesetzen, mit dieser den Sinn vom Praktischen abwendendcn Heiligkeit fortkommen im Leben? Denkt ihr denn gar nicht an den künftigen Beruf eurer Kinder? Was ihr aus euren Söhnen machen wollt, Künstler oder Gelehrte, Kaufmann oder Handwerker, für jeden künftigen Beruf wie ihn vor allem die heutige Zeit — und ihr könnt doch wahrhaftig eure Kinder nicht für die Vergangenheit erziehen! — nun denn, wie ihn vor allem die heutige Zeit ergriffen und geübt wissen will, habt ihr eure Söhne von vorn herein durch die Religion eurer ״Richtung", in welcher und für welche ihr sie erzieht, unfähig gemacht! Meint ihr denn, wir verkennten den Werth der Religion, wir wollten nicht auch unsere Kinder ״religiös" erziehen? Religion muß sein! Allein haben nicht unsere nichtjüdtschen Mitbürger auch Religion? Dort aber ist die Religion ״vernünftig", will Religion nicht Alles sein, dort hat das Religiöse sein wohlberechtigtes Gebiet wie das Menschltche und Bürgerliche, dort giebt es auch Stande, deren Beruf das Religiöse ist, deren ganze Berufsthätigkeit in Wartung und Pflege des Religiösen aufgehj, die der Kirche und der Lehre warten und Jedem die Segnungen der Religion zu spenden immer bereit sind, wenn immer das Bedürsniß gefühlt wird sich aus dem bürgerlichen Leben zu den Altären der Religion zu flüchten und durch andächtige Erhebung znm Göttlichen auch dem höheren, himmlischen Bedürfnisi des Menschen gerecht zu werden und sie für die himmlische Seligkeit des Jenseits zu gewinnen. Da steht auch das Religiöse in voller Kraft; allein es überschreitet seine Grenzen nicht und läsit das Menschliche und Bürgerliche in der ganzen Berechtigung seiner Selbstbestimmung und Selbstentfaltung; da verträgt sich die Religion mit dem Menschen und Bürger; wann wollen wir weise werden und von unsern weiseru Mitmenschen lernen, ״Gott zu geben, was Gottes ist", und dem Menschen und Bürger, was ihr?!