Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1862)
- Article
- Siwan
- Date
- 1862-06-01
- Page
- 419 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Pädagogische Plaudereien. 419 der nicht dem Menschen seine ganze Sittlichkeit, eben jene sittliche Freiheit, die des Menschen ganzen Adel bildet, geraubt, der ihm den Gehorsam gegen Gott entwindet und ihn den Gehorsam gegen Gott als unsittliche Selbstentwürdignng betrachten lehrt? Nimm den Handschuh auf, jüdische Mutter, den die Verkehrtheit der Zeit dem sittlichen Adel deiner Kinder hinwirft, weihe dich zur mnthtgen Gottes-Streiterin und Retterin deiner Kinder! Wappne dich mit dem ganzen Ernst, mit dem ganzen Bewußtsein der Gefahr! Wie du für die leibliche Rettung deiner Kinder kämpfen würdest, also kämpfe für seine sittliche Zukunft, rette dein Kind zum Menscheu und Juden — und erziehe es zum Gehorsam gegen Gott! Es ist dies das Erste, das dein Gott von dir, einer Frau des Hauses Jakobs, einer Mutter des jüdischen Volkes erwartet. Alle die zarten und starken Fäden, aus welchen sich der freie, den Menschen adelnde Gehorsam webt, die Achtung und Ehrfurcht, die Bewunderung und Liebe, die Huldigung und Dankbarkeit, alle die Gefühle und Gesinnungen, die, in dem sie die Seele zur treuen Nachfolge Gottes stimmen, sie zugleich erheben und veredeln, sie alle übe dich in der Brust deines Kindes zu wecken und zu pflegen. Zeige ihm die Größe und Allmacht, die Weisheit und Güte deines und seines Gottes in jedem Wurm und jeder Blüthe, in jedem Stern und jedem Menschen und in allen Gängen der Völker- und Menschcn-Geschicke; zeige sie ihmj aber vor Allem in -der Geschichte deines Volkes, die von Anfang bis zu Ende nichts ist als eine Offenbarung Gottes tu der Menschheit an die Menschheit, nichts als ein Fingerzeig seiner Größe und Allmacht, seiner Weisheit und Güte, zeige sie ihm in deinem und seinem stillen, kleinen Leben, in jedem seienden und werdenden, jedem leid- und freudevollen Augenblick eures gegenwärtigen und kommenden Seins, daß es sich noch gctragen fühle von den ״Adlersittigen Gottes", daß sein Herz Dem zuwalle, der versprochen uns fortzutragen und fortzuleiten — wenn wir uns nur von ihm tragen und leiten lassen wollen; — zeige ihm den Gehorsam, den alle Wesen um Euch ihrem Schöpfer zollen, wie sie Alle, der kleinste Wurm wie der größte Weltensonnenball, wie sie Alle in gottgewicsenen Bahnen wandeln, nach gottgegebenen Gesetzen sich entwickeln und eben nur in dem Geleise dieser Bahnen und in dem Spielraum dieser von Gott gezogenen Schranken, jenes