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Jeschurun · 1862-05-01 · Heft 8 (Mai 1862) · p. 397

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 8 (Mai 1862)
Article
Die jüdische Realschule in ihren genetischen und cultur-historischen Beziehungen zum Judenthum und zur Gegenwart
Date
1862-05-01
Page
397 (sequence 29)
Language
German
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Von Dr. Mendel Hirsch. AA7 nicht von der jüngeren Generation, die in gänzlicher Unkunde des Judenthums heranwuchs und wächst, wohl aber von jener älteren,׳ die längst im reifsten Mannesalter steht, die Mittagslinie des Lebens längst passirt hat, die zu euch herantritt und hin und wieder euch noch mitdunkeln Reminisenzen von אביי und רבא, aus ביצה und בבא מציעא regalirt, eurer Verwunderung herablassend zu Hülfe kommt und euch erzählt, wie sie in ihrer Jugend auch gelernt, und nichts als ״gelernt", von Sonntag bis Freitag Mittag im Cheder gelernt — ja, wir appelliren kühn an das Bewußtsein dieser Männer, fragt sie doch, ob sie trotz dieser Kenntniß des Gesetzes etwa nicht glaubten, als sie sich von ihm abwandten, sich von vollendeter Uncultur, von einem System abgeschmackter und morscher, durch und durch ünwissenschaftlicher in beschränkter Einseitigkeit befangener, zum Gesetz codisirirter Vorurtheile abzuwenden, das schon vor dem ersten Dämmerstrahle erwachenden selbstständig kritischen Denkens auseinanderstiebt — fragt sie, ob nicht noch jetzt, auf der Mittagshöhe des Lebens, die Erinnerung an das herrliche Gottesgesetz und die Beschäftigung mit ihm, sich wie ein mit den Fesseln dumpfen Geisteszwanges belastetes Gespenst zwi-r scheu sie und ihre Heimgegangenen Väter stellt, ob ihnen die bloße Erinnerung daran nicht die Erinnerung an die rosige Jugendzeit und. an das Leben im Vaterhause noch jetzt vergällt, — fragt sie, wenn sie noch nicht in ihren Anschauungen verknöchert, wenn sie noch so viel Versatilität des Gedankens besitzen, um sich einen Augenblick auch in. eine andere Anschauungsweise versetzen zu können, — ja fragt sie, ob, wenn sie von dem ersten Erwachen aus der Kindheit Schlummern bis zur Entwickelung des reiferen Denkens, das Judenthum so kennen lernt hätten, wie unsere Kinder es kennen lernen, wenn sie es erkannt hätten, wie der frischere Hauch, der aus der Grenzscheide der beiden Jahrhunderte durch die europäische Menschheit wehte und trotz aller. Gegenströmungen weht, ,nichts anderes ist, als der beginnende Sieg jüdischer Wahrheiten, wie alle Aufklärung, sofern sie wahre Aufklärung ist, wie in dem großen Kampfe des natürlichen gegen das historische Recht, jeder Fußbreit, der dem letzteren abgeruugen wird, ein Sieg des jüdischeu Rechtsbegriffes, wie eine jede Barbarei, der gesteuert, jede. Bestrebung der Wohlthätigkeit, die gefördert wird, Wirkung der j ü d.i scheu Lehre der Humanität ist, kurz wenn sie dies Judenthum in seiner׳ ganzen Tiefe, in der ganzen Innigkeit seines Zusammenhanges mit

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