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Jeschurun · 1862-05-01 · Heft 8 (Mai 1862) · p. 395

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 8 (Mai 1862)
Article
Die jüdische Realschule in ihren genetischen und cultur-historischen Beziehungen zum Judenthum und zur Gegenwart
Date
1862-05-01
Page
395 (sequence 27)
Language
German
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395; Von Dr. Mendel Hirsch. unserer Kinder erweitern, ihre Anschauungsweise vertiefen, ihre Urtheils- und Unterscheidungskraft stärken, sie Bescheidenheit und sorgsame Vorsicht im Urtheil lehren, und vor allem ihren Blick erhellen zum tieferen Verstandniß der geistigen Bewegungen und Strebungen der Gegenwart? Ebenso leicht ließe sich Nachweisen, wie auch die deutsche Lektüre und der Aufsatz, abgesehen von dem allgemeinen formal bildenden Einflüsse für die hier erläuterte Anschauungsweise, ohne Beeinträchtigung des Gegenstandes, selbstverständlich in der Hand denkender und dasselbe Ziel anstrebender Lehrer, fruchtbringend gemacht werden können. So in der deutschen Lektüre von dem ״schmutzigen Bettler" in dem Lesebuche einer sechsten und fünften, bis zu den luftige kosmogvnische Hypothesen für erwiesene allgemein bekannte Thatsachen ausgebenden Lesestücken der zweiten und ersten Klasse; — im Styl durch die bei dem Aufsatz gebotene treffliche Gelegenheit zur Verdeutlichung und Vertiefung von Fundamentalgedanken und Anschauungen durch Entwickelung und Reproduktion; die Geographie durch die zu ihr gehörenden ethnographischen und culturhistorischen Momente. — Jedoch dürfte diesnach dem Bisherigen so klar zu Tage liegen, daß wir der von uns. vertretenen Sache, durch ein Verzichten auf den näheren Nachweis nicht zu schaden glauben. Wir haben nur noch mit wenigen Worten Denen zu begegnen, die, mit uns äußerlich auf demselben ״religiösen Standpunkt" stehend, dennoch in gänzlicher Verkennung der Zeitverhältnisse und trauriger Verblendung über den Umfang der'jüdischen Aufgabe, der Ansicht sind: >zur Erziehung und Heranbildung gewissenhafter, gesetzestreuer Juden genüge die einfache positive Kenntniß des jüdischen Gesetzes, wie sie durch den herkömmlichen hebräischen Unterricht, also Pentateuch mit Raschicommentar, Bibel- und neuerdings auch Gebet- Übersetzung, und Einführung in den Talmud vermittelt wird'. Der Nachweis ist wahrlich nicht schwer, daß auf diesem Wege das Ziel auch nicht einmal in dem beschränkteren Sinne, in welchem sie es auffassen, jetzt zu erreichen sei. In den dem unsngen unmittelbar vorangehenden Jahrhunderten freilich, während der Dauer der Periode der Jsolirung, wo ein jeder Ausblick, geschweige denn Hinaustritt aus den Mauern des Ghetto gehemmt, die Inden von jeder Berührung mit der nichtjüdischen Menschheit zurückgestoßen, an deren geistigen Bestrebungen keinen Th eil hatten, — der unbefangene Forscher kann jetzt urtheilen,

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