Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1862)
- Article
- Die jüdische Realschule in ihren genetischen und cultur-historischen Beziehungen zum Judenthum und zur Gegenwart
- Date
- 1862-05-01
- Page
- 394 (sequence 26)
- Language
- German
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394 Die jüdische Realschule re. Äst Wort der Verständigung. bekanntesten der vermeintlichen Widersprüche, einen nach dem andern, in streng wissenschaftlicher Weise, nachzüweisen — wir. fragen, sind wir berechtigt dies nicht für unsere Aufgabe zu halten, und werden solche, in Bezug auf den Gesammtunterricht auf diesem Gebiete, gelegentliche Ereurse der Gründlichkeit seiner Behandlung irgend welchen Eintrag thun? Und wenn wir dann weiter, wozu sowohl der speciell naturwissenschaftliche, als auch der Geschichts- und literarhistorische Unterricht, wie nicht minder die deutsche Lectüre Gelegenheit genug bietet, die Aufmerksamkeit des jugendlichen Blickes darauf lenken, wie die bis zum Fanatismus sich steigernde Animosität aus Seiten der materialistischen Naturanschauung im Grunde nur die natürliche, in ihrem Ursprung berechtigte Reaction gegen die die Geister zum Nutzen und Frommen selbstsüchtiger Zwecke zu fesseln bemühten hierarchischen, vom und gerade vom Standpunkte des ״ orthodoxen" Judenthums verwerflichen Bestrebungen sei, alle Angriffe, alle Bekämpfung eigentlich nur gegen diese, und nur insofern gegen die wahrhaft göttliche. Offenbarung gerichtet seien, als die Hierarchie es zu allen Zeiten für zweckdienlich erachtet hat, sich vor der unkundigen Menge auf diese, sie verdammende, zu berufen, daß somit alle diese Angriffe in Wirklichkeit gar nicht das orthodox gescholtene Judenthum treffen, daß dieses vielmehr die allgemeine Strömung, der jene entspringen, als das Erwachen eines freieren Geistes freudig begrüßt und nur die Verblendung beklagt, mit der sie das Kind mit dem Bade ausschütten, die Wahrheit mit der Lüge über Bord werfen, mit dem Glauben an die Unfehlbarkeit einer Priesterkaste auch das Bewußtsein von Gott und der sittlichen Freiheit als Ausgeburten kirchlichen Wahns zu den überwundenen Standpunkten zählen, und in ihrer Verblendung fast eben so viel Unheil stiften, wie die von ifyncn bekämpften Gegner —- werden wir da nicht, indem wir sie auch in beklagenswerthen Verirrungen das Ringen des rein menschlichen Keims entdecken lehren, den Horizont ckMschenKraft hinaus. So find wir selbst, dieser Hypothese folgend, gemöthigt, auf eine ״übernatürliche" Ursache zu recurriren. Diese aber, die wir so mit der Macht ausrüsten müssen, jenen Gasball zu schaffen und ihm vor Millionen von Jahren die Bewegung zu verleihen, die sämmtliche aus ihm der Theorie nach hervorgegangene Himmelskörper besitzen: ist es unmöglich, ist es undenkbar, daß sie auch im Stande gewesen, sofort das Umversum mit einem Schlage zu erschaffen?? — — So führt mit. unabweisbarer, logischer Macht die Hypothese über sich selbst hinaus."