Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1862)
- Article
- Die jüdische Realschule in ihren genetischen und cultur-historischen Beziehungen zum Judenthum und zur Gegenwart
- Date
- 1862-05-01
- Page
- 382 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932905-2932914-2946889--07422-2946943- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
382 Die jüdische Realschule re. Ein Wort der Verständigung. bis auf unsere Tage geltend zu machen sucht? — Wenn nach den Bestimmungen des jüdischen Gesetzes der ״jüdische Priester", der Kohen, grundbesitzlos sein mußte; wenn er kraft seines ״Standes", mit Ausnahme eines Antheils an Theilen der Opferthiere, wenn die Reihe, nicht häufig, an ihn kam, an Niemanden irgend welchen Anspruch erheben konnte; wenn der ״jüdischePriester" sich keines erimirten Gerichtsstandes erfreute, ״von meinem-Altäre sollst du ihn nehmen zum Tode"; wenn er als solcher auf Erziehung und Unterricht auch nicht den minbesten direkten Einfluß hatte; wenn der ״jüdische Priester", der Kohen, und der jüdische ״Geistliche", der Rabbiner, sich nicht postirt haben an die von Jedem zu passirenden Hauptstationen des menschlichen Lebens, um Zoll zu erheben, bei der Beschneidung etwa, der Confirmation, der Trauung und dem letzten Paßvisum ir?s Jenseits, sondern in allen diesen Momenten, wo das menschliche Gemüth durch Freude und Schmerz weicher gestimmt, dem geistlichen Zuspruch ein umso offneres Ohr entgegenbringt, der ״jüdische Geistliche" in den jüdischen Familien nichts zu Lhun hat (denn zur Vollziehung der Beschneidung wie zur Schließung einer Ehe ist ein jeder Jude unter Einhaltung der betreffenden gesetzlichen Vorschriften berechtigt) —: wie erscheinen bann,— ohne hier irgend welchem redlichen und erleuchteten Kreise, welcher Confession auch immer, im entferntesten zu nahe treten zu wollen, — vom Standpunkte des jüdischen Gesetzes hierarchische Bestrebungen und Anspräche, als deren Ausfluß sich z. B. das — Concordat darstellt, und besteht überhaupt eine Analogie zwischen einem jüdischen ״Priester" und irgend welchem nichtjüdischen ״Diener der Religion"? — Wenn das jüdische Gesetz verordnet, sofort beim Einzug in das Land solle Segen und Fluch als bedingt von Sünden ausgesprochen werden, die namentlich aufgeführt werden *) und die sämmtlich darin übereinstimmen, daß sie im Geheimen verübt werden, den äußerlich loyalen Sünder somit nicht auf die Anklagebank führen können: wie erscheint dann vom jüdischen Standpunkt eine äußere Werkheiligteit? — Wenn das jüdische Gesetz die Dignität auch des menschlichen Leibes lehrt, die Berechtigung auch.der sinnlichen Triebe, wenn nur beherrscht und innerhalb der *) Neben geheimer Abgötterei und geheimer Unzucht findet sich auch— \ Betrug, und zwar speciell solcher Betrug wo es sich um so winzige Objekte handelt, daß sie sich ihrer Kleinheit wegen der richterlichen Cognition entziehen.