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Jeschurun · 1862-05-01 · Heft 8 (Mai 1862) · p. 379

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 8 (Mai 1862)
Article
Die jüdische Realschule in ihren genetischen und cultur-historischen Beziehungen zum Judenthum und zur Gegenwart
Date
1862-05-01
Page
379 (sequence 11)
Language
German
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Von Dr. Mendel Hirsch. 379 Unterricht, beides gleich wesentliche Faktoren. Da es sich jedoch bei der jüdischen That nicht um ein geistloses opus operatum handelt, sondern die Gewinnung des Willens für die That stets wesentlich durch den Geist zu vollbringen ist, das Judenthum deßhalb stets an den Geist — nicht an den Glauben — appellirt, freilich stets nur im Hinblick auf eine zur That sich verwirklichende und in That sich ausprägende Erkenntuiß: so tritt für die Erreichung der jüdischen nationalen Aufgabe der Unterricht noch weiter in den Vordergrund, als dies sonst der Fall sein würde. Die Befähigung, ,das eigene Leben nach der Norm des jüdischen Gesetzes, die Gesinnung und Anschauung nach der Norm der jüdischen Lehre zu gestalten, ist also das Ziel, dessen Anstrebung und Erreichung die jüdische Schule zu einer jüdischen macht. Die Methode heißt hier wie überall: Lehre und Uebung, d. h. Gewöhnung. Hinsichtlich des Gesetzes ist das Ziel ein verhältnismäßig leichter zu erreichendes, weil der Weg, trotz mancher Schwierigkeiten, doch immerhin ein seit Jahrtausenden gebahnter ist, den Millionen vor uns gewandelt und Millionen nach uns wandeln werden. Das zu gestaltende Objekt, das eigene individuelle Leben, ist ein einfaches und unmittelbar vorliegendes. Durch die Kenntniß des jüdischen Gesetzes wird der Maßstab hergestellt, der stets an das eigene Thatenleben, der änßeren wie der inneren That, anzulegen ist. Die Uebung und Gewöhnung, dies nun auch zu thun, das darf und muß die Schule zum Theile der Erziehung des Hauses überlassen. Doch nur zum Theile. Jedoch die eigentliche Gewinnung, die Erhebung zu der. jüdischen Anschauung und Würdigung der Erscheinungen und Verhältnisse, — hier stehen wir vor einer ungleich schwieriger zu lösenden Aufgabe. Der Maßstab würde auch hier durch die Kenntniß der jüdischen Lehre und der jüdischen Anschauung hergestellt, aber die Objekte — so bunt und mannigfaltig als mannigfach unb wechselnd die Bühne der Geschichte und des Lebens. Dort genügte eine freigebiger oder beschränkter zugemessene Anzahl bestimmt abgegränzter Stunden, die der Einführung in das Studium des jüdischen Gesetzes bestimmt sind, also die dem Pentateuch, dem Talmud und den religionsgesetzlichen Schriften gewidmeten Unterrichtsstunden; denn das Gesetz ist ein klar und Präeis abgeschlossenes, sein Objeet ein eonkretes. Aber hier? Die Herstellung des Maßstabeö im jugendlichen Geiste für die eigene pflichtgemäße That war leicht, aber auch leicht die des Maßstabes für die

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