Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1862)
- Article
- Die jüdische Realschule in ihren genetischen und cultur-historischen Beziehungen zum Judenthum und zur Gegenwart
- Date
- 1862-05-01
- Page
- 374 (sequence 6)
- Language
- German
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374: ‘ Die jüdische Realschule rc. Ein. Wort der Verständigung. den, fragen wir. nun specieller: wie wird der Begriff der Realschule durch das Attribut jüdisch modificirt, oder apagogisch, was macht eine Realschule zu einer jüdischen Realschule? Die negative Beant- Wortung dieser Frage wird uns zur positiven überleiten. Negativ: Eine Realschule wird dadurch noch nicht zu einer jüdischen Realschule, daß sie von Kindern besucht wird, die jüdischen Eltern ihr Dasein verdanken — eine von Juden besuchte Realschule ist noch keine jüdische. — Eine Realschule wird ferner noch nicht -zu einer jüdischen Realschule dadurch, daß zu den anderen Fächern noch der Unterricht im ״Hebräischen" tritt und wäre dieser ״hebräische" Unterricht auch noch so umfassend. Positiv könnten wir die Frage kurz dahin beantworten, daß das eigentliche Wesen der jüdischen Realschule in einer gegenseitigen Durchdringung beider Gebiete bestehe, doch nicht etwa in dem Sinne, daß das jüdische Element erst von dem Gebiete des allgemeinen Wissens etwa Läuterung und Aufklärung sich erholen müsse, sondern so, daß alles Wissen im Lichte der jüdischen Anschauung erschaut und erfasst,, daß das Wissen jüdisch gehoben, jüdisch durchklärt und durchleuchtet, jüdisch durchgeistigt werde. Jedoch bei der beklagenswertheu Verwirrung der Begriffe und der vollendeten Gedankenlosigkeit, mit der man in nichtjüdischen und unjüdischen Kreisen sich gewöhnt hat, Bezeichnungen und Anschauungen, die für die Gebiete und Verhältnisse, zu deren Charakterisirung sie ursprünglich dienten, ganz zutreffend sind, unbedenklich auf das Gebiet des Judenthums zur Bezeichnung von Richtungen und Lehren hinüberzutragen, die mit jenen ganz disparat sind, ja im diametralsten Gegensätze stehen, bei dieser von uns so oft und so tief schmerzlich empfundenen Sachlage, sagen wir, ist es uothwendig, der büudigen, positiven Beantwortung, zur Klarmachung des Standpunktes einige erläuternde Bemerkungen und Auseinandersetzungen voranzuschikken oder, besser, mit ihrzu verbinden. Dem entsprechend dürfte sich die Frage so stellen: Was ist die Vorbedingung und was wird bereits vorausgesetzt, wenn von dem Begriffe einer jüdischen Realschule die Rede sein soll? Zwei Parteien stehen auch im Kreise nicht des Judenthums, sondern der Juden heit einander schroff gegenüber. Die Einen nennen sich mit eben so wenig Recht präconisirend die Aufgeklärten, als die Andere orthodox genannt wird. Diese aus christlichem Ge-