Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1862)
- Article
- Die jüdische Realschule in ihren genetischen und cultur-historischen Beziehungen zum Judenthum und zur Gegenwart
- Date
- 1862-05-01
- Page
- 372 (sequence 4)
- Language
- German
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872 Die jüdische Realschule re. Ein Wort der Verständigung. 8 H Leben umzuprägen, erst dieses Streben wird dahin führen, daß man in wahrem Sinne von einer nationalen Bildung wird sprechen dürfen.! Die in diesem Sinne sich allmälig bildende Theilnahme der Gesammtj| Nation an der jemaligen Bildungsstufe gäbe Anlaß zu einer interessanj־) ten Parallele mit der Antike. In der Reihe der Institute, die im Dienste dieses Strebens;; stehen, nimmt die Realschule unbedingt die erste Stelle ein. Indem sie im! Dienste dieses Strebens steht, steht sie eben dadurch in dem heiligen Dienste einer höhern geistigen Strömung, als deren Ausstuß eben auch jenes Streben eine höhere Berechtigung hat, jener Strömung, in der ein Tropfen aus dem ewigen Born der jüdischen Wahrheit wogt und arbeitet und nicht rastet und seit den letzten Menschenaltern auch dem blödesten Auge sichtbar durch die Welt geht, bald leis im aufieuchtendem Gedankenblitz in des Denkers stiller Kamitter, bald im gewaltigen Donnergetose der Revolution an die Pforten st der Throne pocht und Grundlagen^ der gegenwärtigen socialen Ver- HLltnisse erschüttert —7 und diese Idee, dieser Strahl von der Sonne st der jüdischen Wahrheit, diese eine Blüthe unter den zahllosen des stets - blühenden Lebensbaumes der göttlichen Offenbarung (—- nicht jener, in deren Namen sittlich und geistig verkommene Coterien zu allen Zeiten das ״Volk" leiblich zu Knechten und geistig zu Kretins in den Dienst eines Dogmas und seiner dasselbe erploitirenden Verkünder haben Hinabdrücken wollen —): sie heißt Bollberechtigung eines jeden Menschen, Theilhaberschaft eines jeden Menschen an dem reinen Begriff des Menschthums, Gleichheit des göttlichen Urst sprungs aller Menschen —- Vollberechtigung eines jeden Menschen nicht als Adeliger, als Bürger, als Weißer, als Vermögender, st als Katholik, als Protestant oder als Jude und wie die einschachtelnden Bedingungen der Vollberechtigung heißen mögen, sondern vollberechtigte Gleichheit jedes Menschen vor dem Gesetze als st Mensche Bekämpfung der politischen und geistigen Unfreiheit ist-die Parole, und wer es ermißt, wie nur der sittlich unfreie und geistig geknechr tete Mensch sich willig fesseln läßt und welchen freilich nur indirekten Einfluß die Emancipation des Geistes zuletzt auch auf die Befähigung zur erleuchteten Tugend hat, der wird dem Satze zustimmen, daß unter den Pioniren einer bessern Zukunft, langsam aber sicher arbeitend,