Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1862)
- Article
- Ijar
- Date
- 1862-05-01
- Page
- 366 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932905-2932914-2946888--07405-2946927- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
366 Jjar. Gleichgültigkeit, wenn nicht Menschenfeindschaft, und voller sich Rache erschwingender Selbstsucht rafft er sich zusammen um — der Masse gleich — rücksichtlos auch seine Carriere zu machen. Cosi fan tutti, ob« die Meisten doch. Was wahrhaft Gutes und Edles, wahrhaft Menschen Erlösendes und Beglückendes auf Erden geschah und geschieht, das ist nicht jener, gröberem oder feinerem Egoismus entstammenden, Klugheitsmoral entsprungen, wie sehr sic sich auch — aus nicht minderer Vorthcilsbercchimng — mit dem Heiligenschein modcrduftigcrKonventikel-Frömmelci zu verbrämen weiß. DaS ist eben Gesinnungen entsprungen, die bereits die durch Jahrtausende klingende Davidsharfc in der Brust der Sterblichen geweckt, und die die Erlösung der Menschheit von Feindschaft und Selbst- Rache vollbringen werden, wenn sie nicht mehr nur das Erbgut weniger Auserlesenen sind, wenn sie Gemeingut der Gesammtmenschheit geworden. Das Gute üben weil Gott cs will, Recht und Sitte wahren, Liebe und Milde üben weil Gott cs will, um GotteS Willen Gottes Ebenbild sei», Gottes Ebenbild werden an Liebe und Barmherzigkeit, an Wahrheit und Treue, an Versöhnlichkeit und Milde, um Gottes Willen sich aller Selbstsucht und , aller den Menschen entwürdigenden Sinnlichkeit cniäußern, um Gottes Willen rechtlich und sittlich, heilig und menschlich und voller hingebenden Liebe sein für alle seine Geschöpfe, das, um Gottes Willen Mensch sein, das ist die jüdische Erlösungsbotschaft an die Menschheit, und diese Erlösung an sich selber zu vollziehen, das ist die erste Gottesthat auf Erden, zu deren Vollbringung unsere Kinder sich im Anblick des Himmels und der Erde entschließen sollen. Wenn es eine Wahrheit ist, daß Gott, aus dem Munde unserer Kinder und Säuglinge sich eine Macht bereitet hat, למען צורריו, um mit diesem scheinbar schwachen, aber mit jedem neugeborenen Kinde in frischer Kraft sich verjüngenden Waffe Alles zu besiegen, was Ihn, was sein Reich und Seine Herrschaft von der Erde verdrängen möchte, so erklärt sich sein Wort sofort selber, worin es zu allernächst diese Ihm zugewandte Huldigung erblicken will und bricht damit erbarmlos den Stab über Alles, das die Gotteshuldigung, das die Gottesverehrung zu allererst in frömmelndem, himmelndem Beten und Singen —dem unendlich Leichten — und nicht zu allererst in dem Schweren, ja, Schwersten, in der völligen Umwand-