Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1862)
- Article
- Ijar
- Date
- 1862-05-01
- Page
- 364 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932905-2932914-2946888--07403-2946925- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
364 3jar. thue, wenn du Andern Unrecht thust??" — ״Wie ich das will? Dafür laß mich sorgen, dafür muß ich nur klüger und stärker, machtiger und reicher als die Andern zu werden suchen, daß man mich furcht«, daß man nicht wage mit mir anzubinden, — und wenn ich nun meinen Vortheil, meine Ehre auf's Spiel fetzen Will, wem bin ich dafür Rechenschaft schuldig als mir?" Wir ,nochtcn wohl wissen, was man solchen Entgegnungen, die unser Kind leise »der laut, früh oder spät machen wird, entgegen will, wenn man seine Rechtschaffenheit nur seiner Geschicklichkeit in der Gewiyn- und Verlust-Rechnung anvertrant. ״Ehrlich währt am längsten. Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht. Es ist dein eigner Vortheil rechtlich zu sein. All dein Kredit beruht auf der guten Meinung, die die Leute von deiner Ehrlichkeit haben. Wer erst seinen guten Namen verloren hat, der ist selbst für immer verloren. Darum lasse dir nicht das geringste zu Schulden kommen. Und wenn du es auch noch so fein ynlcgst, es kommt doch endlich an den Tag. Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch endlich an die Sonnen. Mancher geht jetzt in Lumpen, der, wenn er nicht hätte in gestohlener Seide ge- Heu wollen, noch jetzt mit Ehren in warmem, ganzem Rock umher wandeln würde." ״Set sittlich, mein Sohn! Set nicht ausschweifend! Siehst du nicht die Schatten, die umherwandeln, die dreißig, zwanzigjährigen Greise mit den holen Wangen, mit den ausgekohlten Augen, mit dem ausgebrannten Herzen, an denen der Tod gar leichte, rasche Arbeit sindet? Weißt d« wer ihr Todesengel gewesen? Die Aus-- schweifung war es, die Unkeuschheit, die Unmäßigkcit. Bleibe mäßig, bleibe keusch, bleibe sittlich wenn du gesund bleiben willst und lange leben." ״Die menschliche Gesellschaft konnte ja gar nicht bestehen, wenn hie Menschen nicht arbeitsam und brav sein, wenn sie nicht auf Recht und Sitte achten wollten, sich nicht einander beistehen und helfen wollten in der Roth, Große Macht und großer Vortheil liegt in der Bereinigung der Kräfte. Auch der Reiche und Vornehme thut wohl daran wenn er durch Mildthätigkeit der Armuth ihren Zustand erträglich macht. Wenn erst das Elend zur Verzweiflung kommt,