Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 7 (April 1862)
- Article
- Altjüdische Frömmigkeit
- Date
- 1862-04-01
- Page
- 339 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Dar Buch bet Frommen. 339 Gebote zu genügen: sinne im Gesetze Tags und Nachts. Das Viele machts nicht aus. Besser wenig mit Gottesfurcht, als das Viele derjenigen, die den ganzen Tag lernen, aber es nicht erfüllen. 15 (18). Hauptbedingung im Gebete ist die Herzensfreude in Gott, nach dem Worte ״rühmet Euch seines heiligen Namens, eS freue sich das Herz derer die Gott suchen." Darum suchte auch David bei allen seinen Gebeten und Psalmen mit der Harfe sein Herz mit Freude in der Liebe zu seinem Gotte zu erfüllen, und wenn der Mensch betet, hat er sein Herz durch dm Gedanken, vor Wem er stehe, in die rechte Richtung zu bringen. Fünf Erfordernisse bedingen das Gebet, selbst wenn die Zeit zum Leben da ist: Reinheit der Hände, Verhüllung der Scham, Reinheit des Ortes, Ungestörtheit vor allem Drängenden, und Andacht des Herzens. Hat er ohne Andacht gebetet, so wiederhole er das Gebet mit Andacht. Findet er seine Gedanken eingenommen und sein Herz gestört, so bete er nicht, bis er seinen Sinn in die gehörige Ruhe gebracht. Andacht gewinnt man wenn man sein Herz von allen andern Gedanken frei macht, als ob man unmittelbar vor Gott steht. Darum setze man sich eine Weile vor dem Gebete um dem Gebete erst die Richtung im Herzen zu gewinnen und dann bete man betend und bittend. Ebenso behandle man das Gebet nicht wie eine Last die man trägt und abwirft und davon geht, sondern sitze ebenso eine Weile nach dem Gebete und gehe dann. Ebenso stellt man sich nicht zum Gebete mitten aus Lachen und Scherzen, mitten aus Geplauder, Disput und Gezänke, sondern mitten aus klaren und entschiedenen. Worten des göttlichen Gesetzes, die die Gedanken nicht weiter eingenommen halten. Mit aneinandergeschlvssenen Füßen, die Augen nach unten und des Herz in die Höhe stehe man im Gebete, die Rechte über der Linken aufs Herz wie ein Diener vor dem Herrn in Ehrfurcht und Scheu. Nicht mit lauter Stimme betet man und auch nicht mit bloßen Gedanken im Herzen, sondern man spricht das Wort mit der Lippe und läßt sein Ohr hören was man spricht, aber nicht lauter, es sei denn man wäre krank oder könne leiser nicht die Andacht ge-