Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 7 (April 1862)
- Article
- Altjüdische Frömmigkeit
- Date
- 1862-04-01
- Page
- 338 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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338 MMsche Frömmigkeit. gute Lösung. wird er sich nicht vordrängeu sie mitzuthetlen, sondern wird erst dann damit hervortreten, wenn er sicht, daß die Lehrversammlung nicht von selbst darauf kommt. Hört er von seinen Mitcommilitonen eine Aeußerungen, die er auch zu machen Willens gewesen, wird er ihnen nicht mit der Bemerkung in die Rede fallen, er habe dasselbe sagen wollen, er wird vielmehr lieber schweigend zuhvren. Oft wird er dadurch doch eine neue Ansicht gewinnen; welcher Gewinnst wäre es aber sich zu rühmen, er habe es ebenso gut gewußt! Kurz, wo er Gelegenheit findet auf eigenen Ruhm zu verzichten und andern braven Menschen die Ehre zu geben, wird er gerne diese Gelegenheit benützen, wie es heißt: Verachtungswürdiges ist in seinen Augen verachtet, Gottesfürchtige aber ehrt er. 14 (17). Beim Lernen der Thora hat man sich mit Gründlichkeit in den Inhalt zu vertiefen, und überall das praktische Ziel vor Augen haben. "שכל טוב לכל עושיהם" heißt es, ״das Gute wird nur von denen recht begriffen, die es üben," die es üben, heißt es, nicht die es lernen, daß nicht etwa Jemand das ganze schriftliche und mündliche Gesetz lerne, und dabet sich gegen seinen Bater, seinen Lehrer, oder wer sonst ihm in Kenntnissen überlegen ist, versündige, sondern man lerne um zu lehren, zu hüten und zu üben, das heißt תורה לשמה tonen. Wer aber sich mit der NUN nicht für dieses reine praktische Ziel beschäftigt, dem wäre es wahrlich besser, er wäre nicht geboren. Jedenfalls wäre er glücklicher er hätte nie etwas gelernt; denn mit jedem Worte, das erlernt, wächst seine Verantwortlichkeit. Mit gespanntester Aufmerksamkeit hat man Ohr, Auge und Wort dem Gegenstand ausschließlich zuzuwenden wenn man lernt, wie Jecheskeel erinnert ward: Menschensohn, siehe mit deinen Augen, mit deinen Ohren höre und richte dein Herz auf Alles, was ich dir zeige. Wenn Jecheskeel zur Erfassung eines sinnlich Darstellbaren und nach Maß und Zahl zu Ermessenden, wie die Construktion eines Hauses, die gespannteste Aufmerksamkeit mttbringen sollte, um wie viel mehr muß man ganz Auge, Herz und Ohr beim Erfassen von Gegenständen sein, die wie die Worte des Gesetzes auf den feinsten Distinktionen beruhen! Eine feste Zeit hat man sich für jeden Tag und für jede Nacht zum Lernen der Thora zu bestimmen um dem