Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 6 (März 1862)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1862-03-01
- Page
- 301 (sequence 12)
- Language
- German
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Bücherschau. 301 wonach in jeder Vernachlässigung oder Aendernng der gesetzlich eingeführten gottesdienstlichen Vorschriften auch eine Geringschätzung des göttlichen Gesetzes involvirt ist. Trotz der strengen Verbindlichkeit aber, welche die Pflicht der Verrichtung der eingeführten Gebete und die darauf bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen für uns haben, ist es dennoch ebenso unzulässig als unbegründet, irgend ein Gebet an irgend einem Tage als ״höhere Pflicht" als die Beobachtung einer מצו' דאורייתא zu bezeichnen; und auch für Frauen kann die ״Be- Heiligung an den Gebeten" keinesfalls ״höhere Pflicht" als das Anhöre» des Schofars sein; denn obgleich die Pflicht des Gebetes auch den Frauen obliegt, so ist doch, wie aus Orach Chajim 70, 1 und 'מ״א לא״רו סי' ק;/ו ם׳'ק ב erhellet, kein vollständiges Gebet mit Ausnahme von ב״הם für Frauen obligat; wenn nun auch das Anhören des Schofar, als ein nur zu einer bestimmten Zeit zu erfüllendes Gebot den Frauen gesetzlich nicht obliegt, so wird doch in Bezug auf dasselbe in ר״ן zu Rosst) Ha-Schana 33 b. nachgewiesen daß auch Frauen für die Erfüllung dieses Gebotes ein Lohn bevorsteht, und daß sie auch die dafür bestimmte מלמד sprechen können, woraus hervorgeht, daß es von gar keinem Gesichtspunkte aus gerechtfertigt werden kann, die ״Betheiligung an den Gebeten" eine ״viel höhere Pflicht" als das ״Hören des Schofars" zu nennen. Nichts hat den religiösen Verfall, dem wir so häufig in jüdischen Kreisen zu begegnen haben, mehr hervorgerufen; nichts hat den Leichtsinn und die Gewissenlosigkeit in Erfüllung der jüdischen Pflichten mehr unterstützt, als die falschen Begriffe, welche die als jüdische Geistliche aufiretende Feinde des Judcnthumö über das Gebet zu verbreiten suchten. Durch die einem fremden Religionsgcbicte angehörenden Anschauungen über das Gebet, die sie dem Judcnthume anfzudrängen sich bemühen, und durch den falschen unjüdtschen Nimbus, den sie dein öffentlichen Gottesdienste verleihen möchten, ist es ihnen gelungen, daß viele das Bewußtsein, daß Gebet und öffentlicher Gottesdienst zwar einen integrireudcn aber um einen kleinen, sehr kleinen Theil des Judenthums bilden, gänzlich verloren haben, und so in dem Irrwahn verloren sind, baß Gebet und Gottesdienst schon die Summe des Zudeuthnms ausmachcn, und insbesondere durch den Eingang, den jene das Judcuthum untcrwühlende Bestrebungen durch ihre Außenseite bei dem für salbungsvolle Phrasen empfang-