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Jeschurun · 1862-02-01 · Heft 5 (Februar 1862) · p. 235

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 5 (Februar 1862)
Article
Die Kunst schön zu sein und lange zu leben
Date
1862-02-01
Page
235 (sequence 3)
Language
German
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Etn Fragment rc. 235 Weisen, jener Männer, die geistig und sittlich auf einer Höhe stauden, die ihrer Zeit wie allen folgenden als leuchtendes Ideal vorschweben dürfte. Würde man freilich behaupten wollen, daß unsere Zeit dieser Höhe zwar nicht merklich näher, wohl aber ziemlich merklich ferner gekommen, daß demgeniäß unsere Zeit sich zu ihr in schärfer ausgeprägtem Gegensätze befindet, als z. B. die Zeit unserer Urgroßväter, so möchte sich wenig Erhebliches dagegen entwenden lassen. An das Grab einer der hehrsten Frauengestalten führt uns dir Thorah und setzt auf ihr Grabmal nichts als die Worte: ״Ihre Lebensjahre waren hundert Jahre und zwanzig Jahre und sieben Jahre" — Und in diesen Worten finden unsere Weisen die vollendetste Charakteristik, die herrlichste Leichenrede unserer unsterblichen Mutter. ״Sie war zu zwanzig Jahren so schön wie zu sieben, zu hundert Jahren so unschuldig wie zu zwanzig." Es ist schon an sich eine eigeuthümliche Anschauung der Dinge, daß man die Schönheit in die Kindheit verlegt und eine noch eigen־ thümlichere, den höchsten Grad der weiblichen Unschuld un> das Alter von zwanzig Jahren zu suchen. Wir sprechen von der ״Kindesunschuld", wir kennen ״schöne" Jünglinge und Jungfrauen und ״unschuldige" — Kinder, wir verlegen die Unschuld in die Kindheit, die Schönheit in die Jugend. Unsere Weisen schaueir das anders an; sie meinen, es gebe nichts Schöneres als ein Kiudesgesicht, — und — haben sie nicht Recht? Giebt es nicht viel mehr schöne Kinder als schöne Jünglinge und — man verzeihe uns den erschrecklichen Verstoß — Jungfrauen, als schöne Männer und Frauen? Fast wird kein häßliches Kind geboren, alle Kinder sind schon. Warum sind die Menschen zu sieben Jahren schöner als zu zwanzig? Wenig Probleme dürsten sich einer nngetheiltern Aufmerksamkeit zu erfreuen haben, denn wer möchte nicht gern schön sein und schön bleiben? Nach der Anschauung, die dem angeführten Ausspruche zu Grunde liegt, steckt das Totlettengeheimniß der Schönheit nicht in den Schmuckkästchen und dem Fleur d’Orange, sondern — sondern — das Kind ist ein Engel weil ihm die Leidenschaften noch keine Furchen in's Gesicht eingeprägt, weil es den Neid noch nicht kennt, den Zorn noch nicht kennt, weil es die Habgier, den Stotz noch nicht kennt, weil es die Gemeinheit noch nicht kennt. Wer unsere Kin-

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