Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1862)
- Article
- Die Kunst schön zu sein und lange zu leben
- Date
- 1862-02-01
- Page
- 234 (sequence 2)
- Language
- German
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234 Die Kunst schön zu sein und lange zu leben. war sicherlich von dem eines mächtigen Römers zur Zeit der Bürgerkriege ebenso verschieden, wie die Villa eines üppigen Byzantiners von dem im reinsten Zopfstyle gebauten Palais eines deutschen Diplomaten, auch die Trachten wechseln, wenngleich vielfach mit wiederkehrendem Wechsel. Aber wo es Wesentliches betrifft, Fundamental- Anschauungen, die dem ganzen Leben seine Richtung geben, da gleichen sich Babylonier und Franzosen, da waren die Phönizier um kein Haarbreit von den Engländern verschieden. Ein und dieselbe Anschauung mag in der Reihefolge der Jahrhunderte und dem Wechsel der Nationen in Sprache, Literatur und Sitten verschieden nüancirte Aeußcrungen finden — der Totnleindruck schwindet, so wie man die Individuen betrachtet. Aber anch abgesehen hiervon, glaubt man z. B. im Ernst es bestehe, wo cs sich nm das Ideal des Glückes handelt, ein Unterschied zwischen den Menschen vom Jahre 1800 vor und 1800 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung? Man d. h. die Menge, die überwiegende Majorität der Menschen hätte sich je nnter einem glücklichen jemals nicht einen reichen, mit allen Mitteln zu einem genußreichen, opulenten Leben ausgerüsteten Menschen vorgestellt?' Es gebe eine Zeit, in der das Streben nach Besch und Genuß nicht das herrschende gewesen? Es bestehe ein wesentlicher Unterschied zwischen der Anschauug der Menge, die sich vor 1900 Jahren durch panem et circenses, durch Mahlzeiten und Festspiele ihrer heiligsten Güter berauben ließ, und der erlesenen Minorität kleiner Souveräne, die vor noch nicht 50 Jahren in Paris vor den; Throne des Gewaltigen und der Thüre des Kammerdieners seines Dieners krochen, um ein Stück Land von dem Raube ihrer Nachbarn zu erbetteln? Auch die jüdische Nation in ihrer Gesammtheit war auf die Dauer noch nie iu dem Grade von den; Geiste der Thorah durchdrangen, daß die Gesammtheit der Einzelnen anders als in Ausnahmsperioden mächtiger nationaler Erhebung oder gewaltiger nntionaler Erschütterung sich über die in andern Kreise!; herrschenden Grundanschauungen so gehoben gehalten hätten, daß man sagen dürfte: die Anschauung, die den folgenden Aussprüchen unserer Weisen zu Grunde liegt und in ihnen entwickelt wird, war die in den jüdischen Kreisen der damaligen Zeit allgemein herrschende. Wohl aber war sie die allgemein herrschende in den; Kreise unserer