Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1862)
- Article
- Was hat eine gesetzestreue Minorität neologischen Wünschen gegenüber zu thun?
- Date
- 1862-01-01
- Page
- 182 (sequence 10)
- Language
- German
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182 Was hat «(ne gesehestreue Minorität Nahrung enthalten ist, als in einem ganzen Stoß Predigten ä Ia mode du jour, Ja nicht nur am Sabbath, auch an Wochentagen war nicht selten die Erholung des jüdischen ״gemeinen" Mannes an den geistigen Quellen des jüdischen NationalschaHes. Ich erinnere mich noch sehr wohl in meiner Knabenzett nicht selten in meinem väterlichen Hause einen christlichen und einen jüdischen Taglöhner tagüber zusammen arbeiten gesehen zu haben. Den ganzen Tag arbeiteten ste rüstig zusammen, zogen an Einem Seile die Torf- Körbe in die Höhe. Abends, wenn beide ihren Lohn erhalten hatten, ging der christliche Arbeiter zum Branntweinhaus und allen dessen Consequenzen für Weib und Kind; der jüdische Arbeiter ging in seine Chewra, an einem religiösen Lehrvortrag Theil zu nehmen. Ich gestehe es, dieser jüdische Arbettsmann — er hieß Josef Löb!ע״ר — ward mir der früheste Repräsentant des ישראל גוי קדוש und lehrte mich Respekt vor der durchgeistigenden und sittlichenden Macht des Judenthums. - Ueberhaupt ist es ein völliger Jrrthum, zu sagen, Mendelssohn habe seinen Glaubensgenossen ein reineres, besseres, volleres Verständniß des Judenthums gebracht. Mendelssohns unverwelklicher Lorbeer ist auf ganz anderen Gebieten gereist. Seine Glaubensgenossen verdanken ihm nicht ein besseres, oder umfassenderes Verständntß deS europäischen Lebens, das ste umgibt. Mendelssohn war seiner. Zeit der erste Jude, der an all den geistigen Arbeiten der deutschen Nation seiner Zeit, und sofort mit so glänzender Metsterschast sich bethetligte, daß er dadurch strebende jüdische Geister durch die geöffnete Pforte mit hinetnriß. Durch seine hochdeutsche Pentateuch- und Psalmen-Uebersetzungen machte er seinen Brüdern zugleich das gebildete hochdeutsche Wort populär und übermittelte ihnen damit den" Schlüssel zu dem Athenäum europäischer Literatur und Wissenschaft. Wäre nur die Kenntntß und das Verständntß des Judenthums, der jüdischen Literatur und Wissenschaft mit dem Heimtschwerden auf europäisch-literärtschem und wissenschaftlichem Gebiete gleichen Schrittes geblieben! Hätte nur der jüdische Geist seineu heimischen Standpunkt nicht verlassen, und hätte von ihm aus die Blüthen des europäischen Geistes würdigen und nur das Reine und Wahre desselben mit sich vermählen gelernt, es stünde anders mit dem Judenthum, der Zudenheit und der Wissenschaft des Juden-