Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1862)
- Article
- Was hat eine gesetzestreue Minorität neologischen Wünschen gegenüber zu thun?
- Date
- 1862-01-01
- Page
- 181 (sequence 9)
- Language
- German
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»eolsgkschett Wünschen gegenüber zu th«»? 181 genten" im Volke bereits!angst für sich, ohne sehr langes und gründlichcs Nachdenken, und durch einen ganz andern und viel summari-- scher« Maaßstab, als den der inneren Wahrheit oder Unwahrheit, zur Entscheidung gebracht. Wie Viele kennen denn das Judenthum das sie im Leben verläugne», und verläugnen es, weil sie es kennen? Wahrlich, es hat vielleicht noch nie eine solche Unmittelbarkeit des Glaubens, ein so bewußt- und gedankenloses Neben religiöser Psitchten gegeben, wie unsere Zeit eine Unmittelbarkeit des Unglaubens und ein bewußt-, verstand- und gedankenloses Verletzen religiöser Pflichten aufzuweisen hat! Wie aber die Charakteristik der Neuzeit eine unwahre ist, ebenso unwahr ist die entgegensetzte Charaktertstick der alten Zeit. In jener alten Zeit, die dem Verfasser eine Zeit der Unmittelbarkeit des Maubens und des unbewußten Uebens religiöser Vorschriften ist, war vielmehr eine verhältnißmäßtg große religiöse Kenntntß, Kenntniß des religiösen Gesetzes, des religiösen Schrtftthums, ein sehr reges Interesse für verstandesmäßiges Denken, für religionsphilosophische Gedanken, ja eine gar nicht zu verachtende religionsphilosophische Bildung durch alle Schichten des Volkes verbreitet. Zeuge dessen sind noch die Schriften der bessern Drusch-Literatur, die in hohem Grade populär geworden waren, die jüdisch-deutschen gar nicht zu verachtenden Uebersetzungen des Pentateuchs, der Psalmen, der Gebete, ja der Commentare, und religiösen Schriften, die Bibel- und Gesetzes-Kunde und ein gewisses religions-philosophisches Denken auch in den Kreis der Frauen und der des Hebräischen Unkundtgen trugen Gepredigt ward freilich nicht so viel. Allein dafür geschah Beffers und Wirksamers. Bis in das kleinste Dorf herab, wo nur jüdische Baale Bathim wohnten, versammelten sie sich am Sabbath zum ״Schtur", und lernten gemeinschaftlich, unter Leitung eines Vortragenden, irgend eine Schrift jüdisch-praktischer Gesetz- und Sittenlehre oder einen religtons-phtlosophischeu Bibelcommentar. Ja, so ist es mehrorts noch heute auf dem Lande, wo noch die sogenannte ״Intelligenz" den Sabbath und mit ihm das religiöse Interesse und das religiöse Denken nicht begraben. Wir schrecken aber gar nicht vor der Aufgabe zurück, nachzuweisen, daß in Einem Kapitel jener Schriften mehr reltgions-philosophische Wahrheiten, mehr religiöse Kerngedanken, mehr gedankenweckender Stoff und