Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1862-01-01 · Heft 4 (Januar 1862) · p. 179

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 4 (Januar 1862)
Article
Was hat eine gesetzestreue Minorität neologischen Wünschen gegenüber zu thun?
Date
1862-01-01
Page
179 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2932754-2932905-2932910-2946483--07097-2946561
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

neologischen Wünschen gegenüber zu thun? 179 Gemeinde eine bedrohende Gefährdung seiner heiligsten Gewissensanliegen, somit seiner unveräußerlichsten religionsgemeindlichen Rechte und Pflichten erkennen dürfte, die Frage zur ernsten Beherzigung vor, was er und seine Ueberzeugungs-Genossen einer solchen moglichen Zukunft gegenüber zu thnn hätte. Eine Beleuchtung dieser Anschauungen und Ansichten dürfte daher wohl kein überflüssiges Werk sein. Der Verf. datirt S. 2 ״das glänzende Licht der Aufklärung und des geistigen Fortschritts" unter den Juden natürlich von den Zeiten Mendelssohn. Er erblickt in der alten Zeit S. 9 die ״Unmittelbarkett des Glaubens und die unbewußte Uebung der religiosen Vorschriften, die gleichsam zur Natur geworden waren, an deren Wahrheit man ebenso wenig zweifelte, wie an den Erscheinungen der Natur.", Diese Unmittelbarkeit, diese ״blos gewohnheitsmäßige Uebung der religiösen Vorschriften" haben in der Gegenwart längst aufgehvrt und dem ״Verstaudesdenken in der Religion Platz gemacht, das anch bei den ihm zugemutheten Uebungen nach Grund und Zweck und Beschaffenheit fragt." Selbst aus die Gefahr hin, gegen bereits, wie Scheidemünze current gewordene dogmatische Zeitansichten Ketzer gescholten zu werden, wagen wir die bescheidene Meinung zu äußern, daß eine unbesangene Betrachtung der alten und neuen Zeit doch das gerade Gegentheil ergeben dürfte. Wenn der Verfasser die alte Zeit in einer ״Unmittelbarkeit des Glaubens," in einem, ״unbewußten Heben religibser Vorschriften" befangen sieht, und den charakteristischen Vorzug der Neuzeit in dem ״Verstandesdenken in der Religion" erblickt, so sind das nichts als verstand- und gedanken-, aber freilich nicht absichtslose Uebertragungen von Zeiterscheinnngen aus nichtjüdischen Kreisen in das Gebiet der jüdischen Gegenwart. Auf jüdischem Boden werden diese Behauptungen von der faktischen Wirklichkeit widerlcgt Die jüdische alte Zeit hatte nicht eine Unmittelbarkeit des Glaubens und ein unbewußtes Neben religiöser Vorschriften, sondern die jüdische Neuzeit — um das unjüdische Wort dem Verfasser in der Antithese nachzusprechen — ist in einer Unmittelbarkeit des ״Unglaubens", in einem unbewußten Verletzen und Verwerfen religiöser Vorschriften befangen. Mit!richten hat in der jüdischen Neuzeit das ״Verstandesdenken in der Religion", Fortschritte gemacht,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.