Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1862)
- Article
- Teweth
- Date
- 1862-01-01
- Page
- 163 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Pädagogische Plaudereien. 163 Sehen wir uns um in dem Kreis gewöhnlicher Familien. Welches Kind ist gewöhnlich das Aschenbrödel im Hause? Es ist nicht immer das schlimmste und schlechteste, cs ist vielmehr meist das edelste und beste, aber es ist vielleicht — minder schön, oder minder geistreich, minder mundgewandt, es ist eine Cordelia unter den Töchtern eines Lear, ein David unter den Söhnen Jtschai's, mit einer Tiefe der Empfindung, die 'eben'die Oberfläche des Lippen- Winds verschmäht, und von beschränkten Eltern verkannt wird, mit einer hingebenden Demuth, die zu jedem Dienst bereit ist, und darum dienstbar wird — — — abgesehen davon! An tausend Wunderlichkeiten knüpft sich ja oft die Sympathie oder Antipathie eines Vaters und einer Mutter, und Contraste rufen Neigungen hervor. Ein Zsaak liebt einen Esau, weil dieser gerade Eigenschäften glänzend entwickelt, die ihm, dem Vater, völlig abgehen und in denen er seine Ergänzung findet, und eine Rebekka liebt den Jakob, weil in ihm^stch ein Lebensbild entfaltet, von dem man in ihrem väterlichen Hause keine Ahnung hatte. — — — Es sei ein Kind wirklich geistig minder begabt, begreift schwer, versteht nicht leicht, kommt höchst schwerfällig zu einem eigenen selbstleitenden Gedanken^ es bleibt in der Schule zurück und zu Hause können die Eltern wenig, wie man spricht, mit ihm beschicken. Oder, was noch schmerzlicher wäre, es sei ein Kind mit Anlagen und Neigungen begabt, die seine künftige Sittlichkeit gefährden, es zeigt stch schon früh auf AbwegenIvon der Wahrhaftigkeit, von der Redlichkeit, von der Aufrichtigkeit, von der Bescheidenheit, von der Mäßigkett, von der Folgsamkeit ^u. s. w. von all den Tugenden, die den künftigen, braven und sittlich edeln Menschen bedingen — ״dumm", ״schlecht" nennt das Gemüth des Vaters, nennt das Gemüth der Mutter das Kind — wie steht es mit ihrer Liebe zu ihm, wie sollte es mit ihrer Liebe zu ihm stehen? Mit der Liebe? So wollen wir nicht fragen, die sollte von .vornherein, und unverlierbar allen Kindern in gleichem Maaße zugewandt sein bleiben; allein mit dem Maaße und dem Umfange der Bethätignng dieser Liebe — danach möchten wir fragen. Wem sollten Eltern — wenn sie ihre Beziehung zu den Kindern und den Werth und die Bedeutung der Kinder für sie begriffen — wem sollte die Liebe der Eltern in einem grvßeru Grade und Maaße