Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1862)
- Article
- Teweth
- Date
- 1862-01-01
- Page
- 162 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Teweth. endlich wahrscheinlicher wie רשי, weil er auch mit dem Munde Jagdkünste übte und durch geschickte Redekünste sich die Gunst des Vaters erjagen wußte; immerhin wird unö die Thatsache erzählt, daß Esau Jsaks Liebling und Jakob Rebekka's Liebling war, und das ist schon doppelt zu viel, um bei ganz gewöhnlichen Naturen das eine oder andere Kind, oder meistens beide zu verderben. Es soll kein Kind unter Kindern Liebling deS Vaters oder der Mutter sein. Alle Kinder seien in gleicher Weise des Vaters und der Mutter Lieblinge, Allen sei in gleicher Werse der Eltern Liebe zugcwandt. Und wenn sich nun noch gar der Eltern Gefühle theilen, das Eine Kind sich als Liebling des Vaters, das andere als Liebling der Mutter weiß, dann muß der allgütige Gott sine besondern Engel über seine Lieblinge senden, daß die Kinder nicht an der unverständigen Liebe und Gleichgültigkeit des Vaters und der Mutter zu Grunde gehen! Ueberhaupt nicht von zuwendendeu und abstoßenden Gefühlen — vom klaren denkenden Pfltchtbewußtsein soll der Eltern Herz sich den Kindern gegenüber bewegen und leiten lassen, soll sie nicht danach was sie bereits sind, nicht nach den Eigenschaften und Tugenden, die sie bereits enthalten, sondern danach schätzen und hochhalten, was sie durch die Erziehung der Eliern werden sollen, und nach der hohen Bedeutuug, die ihnen als von Gott anvertrauten Pfändern zukommt. Wehe wenn es anders ist! Wehe Kindern und Eltern, wenn blinde, unberechtigte Gefühle und Empfindungen der Eltern Gesinnungen bestimmen und das Wort das so oft von unverständigen Schwätzern und Schwätzerinnen gehört wird: das ist des Vaters, das ist der Mutter Liebling, dieses Wort nicht Vater und Mutter empört, dieses Wort gar eine Wahrheit wäre! Wir schweigen von dem verderblichen Einflüsse, den diese wirkltche oder vermeintliche Bevorzugung auf die ganze Entwickelung des ״Lieblings" nothwendig haben muß. Er liegt auf der Hand. Wir wollen nur von dem Verderben sprechen, den die wirkliche oder vermeintliche Zurücksetzung auf das zurückgesctzte oder sich als zurückgesetzt fühlende Kind übt, und von der schweren Verantwortlichkeit, die die Eltern um so mehr trifft, je mehr das Kind wirklich zu einer solchen Zurücksetzung Veranlassung gibt.