Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1862)
- Article
- Teweth
- Date
- 1862-01-01
- Page
- 164 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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der Betätigung sich zuwenden, dem Begabten oder Unbegabten, dem Gutober Schlechtgrarteten? Welches Kind ist am meisten der Liebe bedürftig, für welches Kind ist die Liebe, die Eltern-Liebe fast der einzige Hebel Und Rettungsanker, der es ans geistiger Verdummung zum Lichte, aus sittlicher Verkümmerung zur sittlichen Reinheit und Vollendung e'Mpdthebe und rette, mit welchem Kinde hat Gottes Vorsehung den Eltern eine größere Aufgabe, ein größeres Zeichen des Vertrauens 'gegeben — ist es nicht gerade das geistig minder begäbte, das sittlich nicht, gut geartete Kind? Das kluge, geisteshelle Kind wird auch ohne dich zuletzt zu glänzendem Verstände und KenntnißreichthuM gelangen, das sittlich gut geartete auch ohne dich brav und wacker werden — aber das geistig schwach begabte, vor Allem das sittlich gefährdete Kind, siehst du nicht, wie das so ganz eigentlich deiner Liebe, deiner hingehendsten, nimmer ermüdenden Liebe übergeben ist, auf daß du an ihm die höchste Elternaufgabe lösen sollst, und an ihm die Elternliebe ihre höchsten Triumphe feiern kann, einen dämmernden Geist ins Licht klaren Bewußtseins gehoben, ünd was noch mehr, unendlich mehr bedeutet, eine von sittlichen Abwegen bedrohte Seele, für das reine, sittliche, menschenbeglückende, gottdienendc Leben gerettet zu haben! Wie entfaltet sich doch einem körperlich leidenden, einem leiblich kranken, gebrechlichen Kinde gegenüber die Elternliebe in strahlender, aufopfernder Thätigkett! Wie pflegte sich alle Sorge und Zärtlichkeit des Vaters und der Mutter in die Pflege und Sorgfalt für ein leidendes, gebrechliches Kind zu eoncentriren; Und welche Triumphe feiert das Mutterherz in dem Bewußtsein, ohne deine Pflege, ohne deine unausgesetzte Wachsamkeit und Hingebung wäre das Schwache längst verkommen und begraben, das nun gesund und blühend einer heiter glücklichen Zukunft entgegen lächelt! Und ist das geistig oder sittlich kranke und leidende minder unglücklich, minder mitletdens- und bebauLrnswerth, ist es vor Allem nicht vollends verloren, wenn ihm sich des Vaters oder der Mutter Liebe entzieht? Für das leiblich kranke ist die Liebe nur die Pflegerin; für das geistige, vor Allem für das sittlich kranke ist aber die Liebe selber die Arznei, ist gar Lieblosigkeit Gift, und Vater und Mutter, die dem sittliche Gebrechen zeigenden Kinde ihre Liebe versagen, versagen ihm die Arzenei, die es heilen könnte, ja, stürzen