Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1861)
- Article
- Altjüdische Frömmigkeit
- Date
- 1861-12-01
- Page
- 140 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Altjüdische Frömmigkeit. und jede fromme Thai und Ucbnng thue heimlich und still. Vergiss nicht, daß der Schlußstein aller Frömmigkeit הצנע לכך עם אלריך heißt, ״das in der Stille wandeln mit Gott!" das sich nichts zu Gute thun aus gottgefällige Gesinnungen und Handlungen! Darum hüte dich um allen Preis vor dieser Selbstgefälligkeit. Freut sich gar dein Herz der Anerkennung, die das Gute, das du gcthan, vor der Welt empfängt, so hast du schon einen Theil des Lohns für deine Gutthat dahingenommen. Freut sich dein Herz wider deinen Willen und ohne deine Absicht, so übe dein Herz diese aufkeimende Hoffarth zu bezwingen, und lasse lieber das Gute ungethan, das dich hintennach mit hoffärthigem Selbstgesallen erfüllt, bis du dein Herz geübt das Gute zu thun und es sofort aus deinem Gedächtntß zu vcrwischen. 7 (9). Die Stärke der Frömmigkeit bewährt sich immerhin in der Festigkeit, mit reiner Absicht das Gute zu üben und das Böse zu lassen trotz der Spöttereien, denen man deßhalb ausgesetzt wäre. So z. B. in deinem Verhalten zum Frauenzimmer. Laß deine Blicke nicht aus Frauenzimmern ruhen, und weide dich nicht an ihren Reizen selbst wenn, z. B. aus Hochzeiten, die Frauenwelt in ihrem ganzen Schmuck die Augen deiner ganzen männlichen Umgebung auf sich zöge. Set du immerhin der einzige Thor unter Allen. Dein Auge wird dafür die einstige Herrlichkeit Gottes schauen, die er seinen Frommen ausbewahrt. Dir frommt es, wenn dir ein Frauenzimmer begegnet, verheirathet oder unverheirathet, Jüdin oder Nichtjüdin, erwachsen oder jnng, deinen Blick abzuwenden. Sprich mit Hiob: einen Bund habe ich mit meinen Augen geschlossen, was sollte ich sinnend schauen aus eine Jungfrau! Gedenke der Warnung des Sohnes des Strach: Wende dein Aug' von dem reizenden Weibe, daß du dich nicht fangest in ihrem Zauber. Und wenn es von dem Wackern heißt, er schließt seine Augen um auf nichts Böses hinzuschauen, so heißt dies vor Allem, er meidet den Anblick weiblicher Reize. - 8(w). Fromm sein heißt: sich täglich in Dingen üben, die seinen Trieben und Neigungen schwer fallen. Z. B. Von Niemanden etwas Böses zu reden, kein unnützes Geschwätze zu führen, kein unwahres