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Jeschurun · 1861-12-01 · Heft 3 (Dezember 1861) · p. 133

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 3 (Dezember 1861)
Article
Die Juden im Ghetto zu Rom und die heilige Inquisition
Date
1861-12-01
Page
133 (sequence 8)
Language
German
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und die heilige Inquisition. 133 bekehren will, ihn sofort ohne ärztlichen Beistand zu lassen?" Ich blieb ihm vor Erstaunen die Antwort schuldig. ״Ja wohl, mein Freund," fuhr er fort, ״das ist wirklich so! Und was wollen Sie? das ist nur consequent. In den römischen Staaten ist ein Jude ein rechtloses und schutzloses Subjekt. Für ihn giebt es weder Gerichte, noch Polizei. In Rom können Sie einen Juden schlagen, Sie können ihm in's Gesicht spucken, Sie können ihn mit Steinen werfen, o, Sie können ihn schlimmstenfalls auch tödten. Noch heute wird alle Sonntage im Ghetto eine Anzahl Juden ausgesucht und in eine christliche Kirche getrieben. Es geht nach der Reihe." Ich staunte. ״Das sind ja die Dragonenbekehrungen Ludwig des Vierzehnten!" ries ich aus. ״Nun ja, im heiltg-ttalienisch-römischen Reiche. Jetzt wird ihnen die Geschichte des kleinen Mortara, welche in Europa so viel Lärm gemacht hat, wohl weniger ausfallend erscheinen- Sie ist die direkte Consequenz des vollkommen rechtlosen Zustandes unserer Juden. Wissen Sie denn, daß noch heute jährlich vor dem Beginn des Carneval drei Abgeordnete des Ghetto im Palast der Conservatoren zu erscheinen haben, um in demüthiger Unterwerfung das Recht eines verlängerten Aufenthalts in Rom einznholen und durch einen Tribut die Pflicht abzukaufen, mit den Pferden auf dem Corso Wettrennen zu müssen? Erkundigen Sie sich, fragen Sie andere, wenn Sie glauben, ich übertreibe." Ich fragte und erkundigte mich. Es war Alles wahr; er hatte nichts übertrieben. ״Ich selbst habe es im vorigen Carneval gesehen, wie die Abgeordneten der Juden im Palast der Conservatoren er-- schienen, wie sie niederknieten und mit Stoßen verabschiedet wurden," sagte zu mir ein deutscher Kaufmann aus Triest, Herr I. P. K..., den ich im Oats greeo kennen lernte. Auch nach dem kleinen Mortara erkundigte ich mich. Niemand wußte, wo er geblieben war. Ein römischer Arzt versicherte mir, daß er noch in einem Kloster in Rom sei. Niemand wunderte sich übrigens in Rom über diesen Fall. Ju Bologna wurde mir Leisptelsweise eine ähnliche Geschichte erzählt, welche die vollständige Recht-

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