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Jeschurun · 1861-12-01 · Heft 3 (Dezember 1861) · p. 130

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 3 (Dezember 1861)
Article
Die Juden im Ghetto zu Rom und die heilige Inquisition
Date
1861-12-01
Page
130 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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130 DK Juden iw Ghetto zu Rom in alle Häuser dringen; nein, es waren die Paria's unter den Paria's des Judenviertels. Keine Straße in St. Giles hat ähnliche Gestalten aufzuweisen; die Bettler Roms sind gegen diese Bettler vornehme, reichgekleidete Herren. Lange konnte ich es tu diesem Dunst, in dieser Enge, mitten unter diesen Elenden nicht aushaltcn; ich warf ihnen alle Kupfermünzen zu, welche ich in der Tasche hatte, und ging in eine andere Straße, welche die enge Gasse rechtwinklig durchschnitt. Sie war die Handels- und Derkehrsstraße des Viertels. Alle unteren Räume der Häuser bestanden aus Läden, Magazinen und Arbettsstuben; aber die Straße war nicht so breit, daß ein Wagen durchfahren konnte. Alle Läden und Magazine waren enge, halbdunkle Räume, in welche das Licht der Sonne nur von einer Seite, durch die Thüre und durch die Verkaufsfenster htneinfiel. Die Wände derselben bestanden aus den nackten Steinen, denen der Rauch, der Dunst und der SchmH dasselbe dunkle Colorit gegeben hatte. Drinnen saßen sie, Männer und Frauen, lauter jüdische Physiognomien, und stopften und flickten die alten Kleider und die zerrissenen Lumpen, welche an den Schaufenstern — wenn man viereckige, große Löcher ohne irgend eine Fensterbekleidung so nennen kann — zum Verkauf ausgehängt wurden, und schwatzten und redeten, und aus jedem dieser Locher rief es mir ein ״Signor, commanda, Signort“ entgegen. Zum ersten Mal horte ich den wohltönenden römischen Dialekt mit jüdischem Accent sprechen. Vor den engen, schmalen Thüren hockten Judenknaben und Judenmädcheu auf den Steinen, und alle möglichen Lumpen und Kletdersetzen Roms waren an den Mauern ausgehängt and wurden den Vorübergehenden mit der widerwärtigsten Zudringlichkett von der Welt zum Verkauf ausgeboten. Hie und da stand ein französischer Soldat in seinen rothen Hosen vor einem Laden und feilschte um ein baumwollenes Hemde, oder ein vornehmer, privilegirier Bettler handelte um ein »paar mit Nägeln beschlagener, grober Schuhe, und die ganze Familie, welcher der Laden gehörte, stand um ihn zusammen und bemühte sich, ihm mit orlentalischer Lebendigkeit die Preiswürdigkeit der Waare auseinanderzusetzen. Außer Lumpen und alten Kleidern gab es in der langen, engen Straße abeHnichts zu verkaufen. Der Rinnstein ging mitten durch die Straße, und das Pflaster war mit Schmutz und Resten von Vegetabilien

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