Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1861)
- Article
- Die Juden im Ghetto zu Rom und die heilige Inquisition
- Date
- 1861-12-01
- Page
- 129 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932905-2932909-2946405--07030-2946451- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und die heilige Inquisition. 129 kann. Die Mauern und Thore des Ghetto sind freilich gebrochen; aber die heilige Inquisition hat eine Mauer geistigen und bürgerlichen Druckes um diese schmutzigen und winkligen Straßen aufgebaut, daß man bei der Entscheidung in Verlegenheit kommen mochte, welche Mauer hoher und schrecklicher war, die alte steinerne, oder die neue, durch ihre Edicte und Gesetze aufgebaute Mauer. Die Juden Roms wohnen alle noch in den Winkeln des Ghetto zusammen, weil mit Christen zusammenznwohnen und mit Christen in irgend einer Verbindung zu leben, ihnen bet den strengsten Strafen untersagt ist. Häufig führte mich mein Weg durch jenen Stadttheil, welchen die Tiber zwischen den Brücken Ponte. Sisto und Quatro Co.pt begrenzt.'Es ist ein sumpfiger, ungesunder Moorgruud, der fast im Niveau des Ttbersptegels liegt, das ungesundeste Viertel in dem im Sommer so heißen und ungesunden Rom. Im Norden und im Süden ragen die Architrave und zerbrochenen Säulen der Tempel des Marcellus und Pompejus über so enge, schmutzige und elende Gassen empor, daß selbst die Gassen des St. Gilesviertels in London und die jetzt verschwundenen Straßen in Paris, in denen Eugen Sue's einst so berühmter Roman spielte, dagegen licht und freundlich zu nennen sind. Mehrere Gaffen sind so eng, daß kaum zwei Menschen neben einander gehen können. Ich blickte in sie hinein: rin entsetzlicher Dunst, ein höllischer Qualm, will ich lieber sagen, schlug mir entgegen, und in diesem schmutz,iggelben Qualm lagen halbnackte Kinder in zerissenen Lumpen au^/dem Pflaster, und verkümmerte Gestalten krochen an den Häusern umher. Ich kroch nun auch in die Gasse, und schaute rechts und links in Höhlen hinein, in denen ich nicht eine Stunde hätte leben mögen. Alle die verkrümmten Gestalten in ihren Lumpen streckten mir die magern Hände entgegen, und baten um einen halben Bajvcch. Es waren nicht die privilegirten römischen Bettler, welche die Regierung des Papstes täglich zu vielen Hunderten mit ihren aussätzigen Gliedern, mit ihren ekelhaften Beulen und Wunden auf dem .Corso, und . auf der Via Condotti auf die Straße setzt, um das Mitleid aller vorübergehenden in der widerlichsten Weise anzuflehen — eine in einem civtlisirten Lande unerhörte Sitte —; es waren nicht die braunen Bettelmönche, welche mit ihren klappernden Büchsen in Rom sogar