Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1861)
- Article
- Die Juden im Ghetto zu Rom und die heilige Inquisition
- Date
- 1861-12-01
- Page
- 128 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2932905-2932909-2946405--07029-2946450- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
128 Die Juden im Ghetto zu Rom mit der Devise: ״Extra eeclesiam nulla salus“ wehte Papst Paul der Vierte ließ in allen römischen Städten, in denen Anden wohnten, den winkeligsten, schmutzigsten und ungesundesten Theil derselben durch Mauern absperren, befahl den Juden, nur da und nicht anderswo zu wohnen, und schloß die Thore dieser Ghetto's vom anbrechenden Abend bis zum andern Morgen. Jeder Jude mußte als Abzeichen einen gelben Hut tragen, und dieser gelbe Hut gab die Unglücklichen allen erdenklichen Verfolgungen und Beschimpfungen Preis. Bei den Carnevalsspielen auf der Piazza Navona und aus dem Corso wurden die Juden gezwungen, bei dem Wettrennen der Büffel, Pferde und Esel mitzulaufen. Die Faschingslust reizte das Volk zu den zügellosesten Ausschweifungen gegen die Unglücklichen, und die Cardinäle saßen auf ihren Tribünen und ergötzten sich an diesen die menschliche Vernunft und die Christusreligion, die Reltgion der Humanität und der Liebe, schändenden Sccnen. Sonntags wurden die Juden zum Anhören der Messe und von Bekehrungspredigten in die christlichen Kirchen getrieben. Juden prügeln, peinigen, fie tödten, sic mißhandeln, war kein Verbrechen. Juden hatten kein Eigenthum; denn sie wurden von Zeit zu Zeit gezwungen, ihr Hab und Gut zu bestimmten Preisen zu verkaufen, widrigenfalls dieser Verkauf von Seiten der Regierung selbst vorgcnommen wurde und alljährlich mußten sie durch einen enormen Tribut von der päpstlichen Regierung die Gnade erkaufen, diese schreckliche Existenz in den römischen Staaten weiter fortsetzen zu dürfen. Doch, wird man mir sagen, ich erzähle mährchenhafte Zustände vergangener Jahr- Hunderte; das Alles ist vorüber' Unter der Regierung Pio Nono's, des jetzigen, schwergeprüften Papstes, sind die Mauern des Ghetto, welche dessen unglückliche Bewohner von der christlichen Bevölkerung trennen, gefallen. Ich erwidere darauf: Es ist nicht wahr; außer den grausamen Carncvalsscherzen ist die Lage der Juden in den römischen Staaten noch heute dieselbe, wie sie vor hundert Jahren gewesen ist Unterden unglücklichen Unterthanen des Oberhauptes der christlichen Kirche sind die Juden noch heute die unglücklichsten, die Paria's der Gesellschaft, und die heilige Inquisition in Rom hat es sich in den letzten Jahren zur besonder» Ausgabe gemacht, die Inden zu verfolgen und sie auf eine ausgesuchte Weise zu martern, wenn sie dieselben auch nicht mehr aus den Scheiterhaufen bringen