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Jeschurun · 1861-12-01 · Heft 3 (Dezember 1861) · p. 127

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 3 (Dezember 1861)
Article
Die Juden im Ghetto zu Rom und die heilige Inquisition
Date
1861-12-01
Page
127 (sequence 2)
Language
German
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127 Die Anden im Ghetto z« Rom und die heilige Inquisition. dem schrecklichen römischen Dolchmesser ihre Zuflucht nahm. Ihre Stiefmutter und ihr Bruder Giaeomo boten dem unglücklichen Mädchen ihre Hülfe an, und so fiel der Vater unter der Hand seiner eigenen Tochter. Beatrice, ihre Mutter und ihr Bruder büßten ihre That mit dem Leben. Im September 1599 fielen ihre Köpfe unter \ dem Schwerte des Henkers. Wenn ich im Palaste Barbartni vor dem Bilde Beatrice's stand und diese reinen, engelhaften Züge an- '*־ schaute, wenn mich dies durch dunkle Wimpern Halbverschlcierte -Auge so traurig anblickte, so konnte ich cs mir nicht möglich denken, daß in diesem so mädchenhaften Kopfe mit den sanften, frommen Zügen ein Mordgedanke anfkommen konnte, und immer verließ ich mit Trauer im Herzen über ein so furchtbares Schicksal den Saal. Jahrhunderte sind seit jener Tbat an dem alten Palast vorübergerauscht. Das Drama, das in seinen geschwärzten Mauern spielte, wäre längst verklungen, wenn nicht der Dichter und der Maler es im Gedächtniffe der Menschen festgehalten hätten. Aber ein anderes Drama, nur ein einzelner, geringer Theil in der großen Schicksalstragödic, welche .die Regierung der Päpste in der Ent- Wickelungsgeschichte des unglücklichen italienischen Volkes spielt, wird seit Jahrhunderten täglich vor ihm und in seiner nächsten Umgebung aufgesührt, ein Drama voller Schmerzen und Thränen, voll barbarischer und roher Handlungen. Der Palast Cenci steht a-m Eingange des Ghetto, des Judenviertels von Rom, und von allen unglücklichen Bewohnern der römischen Staaten stnd die Juden die unglücklichsten, die rechtlosesten, die Paria's unter den Tausenden von andern Rechtlosen. Ein Paria unter den Unterthanen des Papstes! Das Schreckliche in diesem Worte versteht nur der, der die römische Regierung kennt! Die Tausende von Flüchtlingen, welche kürzlich mit Hinterlassung ihrer Habe aus den Provinzen, in denen französische Soldaten die Autorität des Papstes wiederhcrstellten, in die Marken und nach Umbrien über die Grenze eilten, bilden zu meiner Behauptung einen entsetzlichen Commentar. - Die Juden haben in Italien eigentlich immer eine schlechte Zeit gehabt. Mit dem Auftreten des Christenthums begannen ihre Verfolgungen; aber diese Verfolgungen steigerten sich bis zum Rasfinement der ausgesuchtesten Mißhandlungen, als aus den Trümmern des untergegangcnen Römcrreiches das Banner der päpstlichen Tiara

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