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Jeschurun · 1861-12-01 · Heft 3 (Dezember 1861) · p. 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 3 (Dezember 1861)
Article
Jüdische Welt- und Lebens-Anschauungen
Date
1861-12-01
Page
122 (sequence 10)
Language
German
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122 Jüdische Welt- und Lebens-Anschauungen. nicht ein blos theoretisches, abstraktes Denken, sie ist vielmehr schon an sich ein nach außen strebender Gedanke. Heißt ja הגה auch ohne Weiteres: hinausbringen, ausscheiden הגו סיגים מכסף, הגו מלב רברי שקר daher ja auch überhaupt Gedankenäußerung: לשוגי תהגה עדקך und in gesteigerter Potenz ist הבה, die intensive, nach Außen gehende Gedankenrtchtung: harren. Es ist daher schon von. vorn herein der in dem Welt-Sein verwirklichte Gottes-Gedanke nicht ein — wie sollen wir sagen? — mit physischer Nothwendigkeit sich von selbst vollziehendes Produkt göttlichen Denkens, deo cogitante fit mundus $ es ist vielmehr schon von vorn herein das allein היה zu Grunde liegende הגה ein mit Wille und Absicht frei thätiges Wollen des Hinaussetzens des Gedankens in die Wirklichkeit. Diese freie That der Gedanken- Verwirklichung, deren Produkt in dem Sein der Welt vor uns liegt, ist es vor Allem, die das ברא bestätigt,und die der ganzen offenbarten Schöpfungsgeschichte ausgeprägt isti ויאמר א' יהי אור ויהי אור nicht weil Gott den Licht-Gedanken re. dachte, ward Licht re-, sondern weil er sprach: es werde Licht rc. ward Licht und Lust und Meer und Continent, wurde die Pflanzendecke der Erde, wurden die Gestirne des Himmels und das Lebendige -er Gewässer, der Vogel in den Lüften, Thier und Vieh und das kriechende Gewimmel der Erde und der Mensch in seinem Ebenbilde. Und selbst nachdem der Gedanke Sein geworden, ist das Fortbestehen des Gewordenen, das Da-sein alles Seienden auch nicht eine bloße nochwendige Consequenz des einmal Gewordenseins. Auch nachdem Jegliches geworden hat es, nur Fortbestand weil nach Gottes, des Schöpfers seines Werdens, Einsicht sein Fortbestehen gut, d. h. ja dem- Weltenzwecke in dem ganzen Zusammen- Hang der Dinge förderlich und entsprechend ist. Gott schaut das durch ihn gewordene, nachdem es geworden, nochmals an, daß es gut sei — וירא א׳ בי סוב — und nur b a r u m besteht es fort in der Gesammtreihe der Wesen. Das Fortbestehen, das Da- Sein des Einzelnen und Ganzen ist ebenso ein Produkt des göttlichen Anschauens, der Einsicht und Ansicht und Aufsicht Gottes, ist ebenso nur eine Consequenz des noch gegenwärtig freien göttlichen Wollens, wie das Sein eine Consequenz des freithätigen göttlichen

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