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Jeschurun · 1861-11-01 · Heft 2 (November 1861) · p. 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 2 (November 1861)
Article
Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft?
Date
1861-11-01
Page
90 (sequence 18)
Language
German
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90 Wie gewinne» wir das Leben nur das als Thorheit zu erweisen sich bemüht, von dessen Thorhett sie schon längst von vornherein überzeugt waren. Jene aber, die noch mit Geist und Herz und mit voller Hingebung an dem alten Gesetze und dessen treuer Verwirklichung im Leben hangen, und dessen Werth und göttlich beseligende Frucht in der Erfüllung erfahren — שכל טוב לכל עושיהם, nicht ללומדיהם, nicht aus bloßer Theorie, nur in praktischer Erfüllung geht Begriff und Einsicht in das ״Gute" der göttlichen Gebote auf — wie könnten sie eine Wissenschaft als Wissenschaft des Judenthums achten, sie eine Wissenschaft bei sich und ihren Kindern heimisch machen, die von Dem, woran ihr Geist und Herz hangt, woraus ihr Geist und Herz ihre beste Nahrung zieht und dem sie freudig ihr Leben in allen feinen Entfaltungen hingebcn — thörigt Opfer nennens die Theoretiker, Weihe und heiteren Gewinnst fühlen und begreifen sie es — die von allem Dem nichts enthält, oder, was sie davon berührt, mit dem Hauche des Todes anweht, und zum Gelächter macht! Was soll der praktische Jude mit dieser modernen Wissenschaft? Er müßte ja seinem ganzen häuslichen und bürgerlichen Leben Stillstand gebieten oder vielmehr mindestens provisorisch die laxeste Aenderung geben, Geschäft öffnen, koscher und trefah durcheinander werfe», seinen Kindern Thenach und Schulchan Aruch aus den Händen nehmen u. s. w. um erst kritisch zu erforschen, ob denn das Alles wirklich göttliches' Gebot, wirklich heilige Verpflichtung, dem auch nur provisorisch sein und seiner Kinder Glück hinzuopfern nicht wirkliche, unverantwortliche Thorheit wäre! Sie will ja auch den praktischen Juden gar nicht — wie viel praktische Juden sind denn auch ihre Anbauer? wie viel Selichoth-Jozeroth- und Piutim-Literatoren ge- Heu noch zu Selichoth, bannen nicht praktisch Jozeroth und Ptutim aus der Liturgie? Wie viele biographische und pragmatische Historiker eines Rabbi Jochanan den Sakkai, eines Rabbi Elicser ben Hirkcmos, eines Rabbau Gamliel, eines Rabbi Akiba, eines Rabbi Josua ben Chananja u. s. w. sieht der praktische Jude noch neben sich die Traditionen, die diese uns vermittelt, befolgen, sieht sie sich noch die Hände vor dem Brodgenuß waschen, wie viele würden nicht über den orthodoxen Juden lächeln, der lieber wie R> Akiba ’ im Kerker verdursten, als das Wasser der נטילת ידים entziehen möchte, — wie viele Männer der ״jüdischen Wissenschaft" sieht denn der

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