Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 2 (November 1861)
- Article
- Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft?
- Date
- 1861-11-01
- Page
- 89 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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skr unsere Wissenschaft? 89 Anschauungen des Tages als Wahrheit cntgcgengetragen wird, und von der jüdischen Lehre nur das, was vom menschlichen und bürgerlichen Leben überhaupt noch als leitenden Grundsatz festgehalten werden muß, und über alles andere als über Veraltetes, Mittelalterliches, Unerleuchtetes, Unzeitgemäßes längst für sich in Praxi den Stab gebrochen haben — diese freuen sich allerdings, die Wissenschaft endlich, wenn gleich in schwerfällig langsamem Gelehrten-Fortschritt, ihrer praktisch langst erreichten lichtvollen Höhe nachhinken zu sehen, freuen sich, wenn selbst im jüdisch gelehrten Kreise über den unwissenschaftlichen Glauben an die Authentie der Bibel — dieses Buches der Bücher, das alles jüdische Galuth-Unheil geboren, — gelächelt, und die Elohisten und Javisten, der Pseudojesaias, der persische Ursprung der Ezechiel'schcn Merkaba, die Erdichtungen und Zrrthümer des Chronisten, der makkabäische Ursprung der Psalmen u. s. w. u. s. w. der חורה, den נביאים und כתובים selbst tu den An sch a nungen derZeit und ihrer künftigen Führer den Boden zu rauben beginnen; freuen sich, selbst aus dem Munde noch für ״fromm" geltender, mit großem Talithbeutel unter dem Arm zur Synagoge wandernder, oder mit dem Talith über dem Kops in der Synagoge stehender jüdischer Gelehrten den menschlichen, ja selbst den menschlichen Sympachten und Antipathien entsprungenen Ursprung alles Dessen dociren zu hören, was bisher von allen vergangenen Jahrtausenden der Indenheit als sinaitische Gottesoffenbarung verehrt worden und in dieser Ueberzeugnng noch jetzt das Fundament des bestehenden ״unaufgeklärten" orthodoxen Judenthums bildet; freuen sich, selbst aus so ״frommem" Munde den Nachweis unwissenschaftlicher, hyperorthodoxer Dummheit in Mischnah und Gemara zu hören!!• s. w. u. s. w. Allein gebrauchen können auch sie diese Wissenschaft nicht, eben weil sie sie nicht brauchen. Sie erblicken in allem diesen nur die allerdings willkommene wissenschaftliche Legalisirung ihres längst in der Praxi für sich und ihre Kinder vollzogenen Bruchs mit dem jüdischen Gesetz. Sie freuen sich, was bei ihnen den Kampf mit dem Leben nicht bestanden, nun auch vor dem Hattchc der Wissenschaft schwinden zu sehen und finden darin eine Gewkffensberuhigung, wenn sie deren noch allenfalls bedürfen. Allein es genügt ihnen an dem Resultat. Sie wärm ja Thoren, ihre und ihrer Kinder Zeit und Kraft an Beschäftigung mit einer Wissenschaft zu setzen, die zum Endresultat