Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 2 (November 1861)
- Article
- Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft?
- Date
- 1861-11-01
- Page
- 88 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Wie gewinnen;wir das Leben Wort gesprochen, — welchen Gedanken hat sie aufgehellt, welche innere Thatsache der Wissenschaft festgesteüt, welchem Theil des jüdischen Gesetzes die Erkenntniß uud Würdigung gefördert, für welches irgend nur specisisch jüdisches Gebot auch nur je als für eine noch jetzt das jüdische Leben zu beherrschen bestimmte Gottes-Vorschrift, ein ernstes aufklärendes Wort gewagt, was, von Allem was sie geschrieben und zu Tage gefördert, war nicht mehr und minder ein direkter Sand- oder Stctnwurf gegen das im Leben sich bewegende Judenthum oder eine indirekte, aber dieses Leben noch tödtlicher treffende Prätension, als haben die Später» nicht die Frühern und die Spätesten nicht die Spätern, die Gcmara nicht die Mischna und der Babli nicht den Zeruschälmi, und die Commentare und Poßktm beide nicht verstanden, und als sei das, worauf die lebendigste Gegenwart des Judenthums beruht, und wofür der Jude, der noch Jude ist, sein und seiner Kinder Glück undLeben einsetzt, nichts als auf Täuschung beruhende Täuschung mit unwissenschaftlicher Blindheit geschlagener, trregehender Jrreleiter?! Nicht eine Physiologie des lebendigen Judcnthums haben sie geliefert, eine pathologische Anatomie des, nach ihrer Vor- Aussetzung, gestorbenen und sterbenden Judenthums ist ihre Arbeit, und meist nicht einmal die. Denn ftumt an den Organismus der vermetntlichen Leiche haben sie sich gewagt, sondern an die Gewänder, die Hüllen; auf welchem Acker der Flachs gewachsen aus welchem das Leintuch gewebt, welches Schaf die Wolle getragen aus welchem das Bartuch verfertigt und in welchem Jahre die Amme der Spinnerin geboren, die den Faden zu beiden gesponnen — das, meistens nichts. mehr als, waren die großen Fragen, aus deren Lösung sich die ״Wissenschaft des Judenthums" bislang ihre Lorbeeren gepflückt. Wer in aller Welt, von allen lebenden Richtungen der wirklichen wahrhastigen Judenheit hätte mit dieser jüdischen Wissenschaft Etwas zu thun, welche lebendige Partei der zerklüfteten Judenheit sollte diese Wissenschaft zur Begleiterin durchs Leben und zur Erzieherin und Bildnerin ihrer Jugend bei sich heimisch machen? Diejenigen, die nun bereits fast in der zweiten Generation das Indenthum aus dem Leben in die Synagogen-Parade verwiesen, die längst bereits für sich praktisch den kühnen Schritt der Antiguirung des jüdischen Gesetzes gethan, die von der jüdischen Wahrheit nur das gelten lassen, was ihnen auch von den - jeweiligen allgemeinen