Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 2 (November 1861)
- Article
- Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft?
- Date
- 1861-11-01
- Page
- 86 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Wik gewinnen wir das Leben 86 Weisen versenkt, hat sie daraus die gottoffenbarten Ursprünge und Ziele, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Menschheit und Israels, die auf diese Gottoffenbarungcn weiter gebauten und entwickelten jüdischen Welt-und Geschichts-Anschauungen zu schöpfen sich auch nur bemüht? Hat sie es versucht, eine Wissenschaft jüdischer Welt- und Geschichts-Anschauung zu construiren und an der Hand dieser vom Judenthume gereichten Gottes-Wahrheiten die Erscheinungen der Gegenwart, das Ringen und die Erwartungen der Völker sammi ihren leitenden Grundsätzen und Anschauungen vom jüdischen Stand- Punkt zu würdigen, baß ihre Zeitgenossen die Lust ergreifen könnte, ihnen nach in den Schacht des göttlichen Wortes und der Weisheit der Väter hinabzustcigcn und sich selbstständig, und in vollen frischen Zügen, aus den Quellen des Zudenthums Licht für ihren Geist, Wärme für ihr Gemüth und Lebenskraft und Muth für ihr lebendigstes, thätiges Miteingreifen in die lebendige, lebensvolle Gegenwart zu schöpfen? Was hat sie vor Allein für das Gesetz, diesen eigentlichen Kern der jüdischen Wissenschaft und Bestimmung, gcthan, was hat sie für Kenntniß und Wissenschaft des Gesetzes geleistet, was hat sie dafür gethan, daß ihre Zeitgenossen das Gesetz in Kenntniß und Uebung auch als dm Kernpunkt ihrer Zeit begreifen, daß sie bereit sein Gut und Blut, Neigung und Vortheil diesem Gesetze zum Opfer und darum Kenntniß und Wissenschaft dieses,Gesetzes für sich und ihre Kinder unter allen zu erringenden Errungenschaften als das Höheziel aller Bestrebungen zu setzen? Was hat sie dafür gcthan, daß nicht vielmehr ihre Zeitgenossen in dem Gesetze, diesem Kernpunkte aller jüdischen Wissenschaft und Bestimmung, gerade die lästigste Bürde, den zn beklagenstcn Hemmschuh, das unzcitgcmäßeste Angebinde und Vermächtniß einer überwundenen, von der Gegenwart und den Erwartungen der Zukunft längst überflügelten Vergangenheit erblicken, und statt sich mit Begeisterung dem Studium des Gesetzes in die Arme zu werfen, sie die Kenntniß und die gcisttge Berührung mit dem Gesetze nicht vielmehr als die uuzeitgemäßeste Zeitverschwendung aus ihrem und ihrer Kinder Gesichtskreis zu bannen bemüht sein mögen? Was hat sie dafür gethan? Hat sie es versucht, diese Gottcssatzunge» für die Gestaltung eines Menschen- Familien- und Völkerlebens in ihrem harmonischen inner» Einklang