Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 2 (November 1861)
- Article
- Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft?
- Date
- 1861-11-01
- Page
- 85 (sequence 13)
- Language
- German
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für unsere Wissenschaft? 85 staltendem und belebendem Hauche vielmehr das ganze Leben erst Leben, und zwar ein glückliches und beglückendes, von Gottesgedanken getragenes Leben wurde — was Wunder, daß man sich ohne diese Wissenschaft halt- und rathlos fühlte, daß man ihr überall im Familien- und Gemeindeleben die erste Stelle einräumte, und ihrer so wenig wie des Lichtes für die Augen und der Luft für das Athmen zu entrathen vermochte?! Das Leben öffnete sich willig der Wissenschaft, suchte und pflegte mit wetteifernder Begeisterung die Wissenschaft, weil die Wissenschaft eben nichts anders als das Leben zum Gegenstände hatte, Seele und Lebenshauch des Lebens sein wollte und war. Was hat Dem gegenüber Dasjenige für Aussichten auf Eingang ins Volksleben, was sich seit einigen dreißig Jahren mit so stolzer Prätension an die Stelle dieser Wissenschaft des Juden gesetzt? Was hat sie gethan und geleistet, daß sie in Kreisen, die noch als die lebendigen Söhne dieser lebendigen Juden dastehen und ihre Kinder als Enkel dieses lebendigen Judenthnms erziehen wollen, daß sie in dem Kreise des jüdischen Volks Begeisterung und Pflege zu finden hoffen dürste? Was hat sie gethan und geleistet, auf daß derjenige, der noch als Jude leben will, in ihr auch nur einen Hauch, auch nur einen Gedanken, auch nur eine Anschauung zu gewinnen hoffen dürfte, die ihn in dieses Leben und durch dieses Leben mit größerer Klarheit, mit beseligender Erkenntniß, mit frischerem, fröhltchercm, opferfreudigerem Muthe zu leiten und zu begleiten vermöchte? Hat sie sich in die Tiefe der Sprache des Gotteswortes, der Sprache unserer Väter versenkt und hat daraus die ewigen Uranschauungen des jüdischen Geistes gehoben, auf daß unsere Söhne und Töchter sich mit Lust und Liebe diese Sprache für die Welt ihrer Gedanken und Empfindungen aneignen und den Baum ihres Geisteslebens aus ihren Wurzeln und unter dem Hauche ihres Geistes sich entwickeln und aufblühen zu lassen auch nur die Sehnsucht fühlen dürften, daß sie darum die Sprach-Gedanken des göttlichen Wortes für die Anschauungen ihrer lebendigsten Gegenwart gewinnen, und-jüdisch denken und jüdisch empfinden lernen möchten? Hat sie sich in den geschichtlichen und prophetischen Inhalt des Buches der Bücher, in den Inhalt des Schriftthums unserer