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Jeschurun · 1861-11-01 · Heft 2 (November 1861) · p. 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 2 (November 1861)
Article
Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft?
Date
1861-11-01
Page
84 (sequence 12)
Language
German
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84 ׳ Wie gewinnen wir das Lebe» dursten, woher diese Bereitstellung des Lebens für die jüdische Wissenschaft? Die Antwort ist nicht schwer zu geben. Das Leben war für die Wissenschaft da, weil die Wissenschaft für das Leben war, ja weil die jüdische Wissenschaft ganz eigentlich die Wissenschaft des Lebens war. Die jüdische Wissenschaft war die Theorie, die im Leben ihre praktische Verwirklichung sindcn sollte. Es war — und ist das nicht eben der Jammer, dass wir nicht mehr sagen können es ist? — Es war das ganze wirkliche, wahrhaftige, in der lebendigsten Gegenwart pulsirende Leben mit all seinen Abzweigungcn und Verhältnissen, und es war die mit Daransetzung dieser ganzen frischen, wahrhaftigen, lebendigen Gegenwart zu erringende und zu erkämpfende noch lebensvollere Zukunft, die den Gegenstand der jüdischenWissenschaft bildete. Da war nichts antiquirt, nichts obsvlet, nichts, was nur antiquarischer Forschung und eitler Gelehrten- Neugierde angehörte. Der Gegenwart und Zukunft gehörte Alles an, und darum gehörte die ganze Gegenwart und die ganze Zukunft ihm. Unter dem Einfluß der Sprache und des Inhalts des Gottes- Worts gestalteten sich die Begriffe und die Welt- und die Lebens- Anschauungen des Vo lkes. Das Gotteswort und die aus demselben, und auf demselben sich erbauende Weisheit der Weisen reichte Jedem die Grundsätze, die Axiome, waren Jedem das Gegebene, das Absolute, an welchem er die innere und äußere Welt, die Wahrheit eines Gedankens, die Reinheit einer Empstndung, den sittlichen Werth oder Unwerth eines Wortes, einer Handlung, an welchem er alle socialen und geschichtlichen Erscheinungen und Ereignisse wardeite und eichte, dessen Feuerprobe ihm alle materiellen und geistigen, alle sittlichen und socialen Größen zu bestehen hatten. Vor Allem aber war cs ja das Gesetz, diese, das ganze Einzeln-, Familien- und Volks-Leben gestaltend umspinnende Offenbarung des göttlichen Willens, das seine Objekte in der Küche wie in der Schule, in dem Wohn- und Schlaf-Zimmer wie in der Synagoge und der Gerichtsstube, in den privatesten Beziehungen des Einzelnwie in den vffentltcheu des Gesammtheit-LebenS fand, ohne dessen belebenden und normircnd gestaltenden Hauch kein Topf am Feuer und kein kleinstes oder größtes Geschäft des Familien- und bürgerlichen Lebens geordnet' und vollzogen werden konnte, unter dessen normirend ge-

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