Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 2 (November 1861)
- Article
- Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft?
- Date
- 1861-11-01
- Page
- 83 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2932754-2932905-2932908-2946310--06955-2946368- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
füt unsere Wissenschaft? 83 ihr und durch sie wieder das והגית בו יומם ולילה erfülle, und man recht bald jung und alt, Kaufmann und Gelehrten, den jüdischen Bankier und seinen Kutscher in wahrhaftigster geistiger fraternitö und egalitß aus Einem geistigen Born gemeinschaftlich trinken und den jüdisch literarischen NationalschaH im Geiste der allerneuesten historisch kritis! en Wissenschaftlichkeit sich aneignen und schöpferisch weiter ausbauen sehen werde — wie noch unsere Großväter mit freudigstem Bewußtsein auf das geistige Arbeiten, auf das ״Lernen" ihrer Zeit Hinschauen konnten. Vielmehr scheint die ganze jüdische ״Wissenschaftlichkeit" unserer Zeit ganz dazu angethan zu sein, von vorn herein auf den Familientisch des jüdischen Hausvaters zu verzichten, ja dem jüdischen Volksgeist das Interesse und die Lust an jüdischer Wissenschuft aufs Allcrgründlichste zu verleiden. Jahrhunderte, was sagen wir, Jahrtausende herab war תוהה, waren die Studien der jüdischen Gotteslehre bis in ihre äußersten Ausladungen die gemeinsamen Beschäftigungen unseres ganzen Volkes. Gleichviel waö sein bürgerlicher Beruf, — der bürgerliche Beruf war dem Juden nur das Sekundäre, das Zufällige, — in allererster, unveräußerlichster Geltung fühlte sich jeder Jude zunächst zum Studium der תוהה berufen; ״ ,?"תוההfür תוהה" zuerst hob jeder Vater zuerst sein achttägiges Söhnchen mit der freudeseligen Schmcrzcnsperle der Bundeshingebung im Auge auf die Arme, für תוהה zuerst und dann für הופה und מעשים טובים, aus der Hand der תוהה sollte ihm Alles werden, über תוהה ihn der Lebensweg zu Allem führen; denn auch den Vater und den Großvater wie den Urahn hatte die תוהה zu Allem geführt, auch ihnen war die תוהה, das ״Lernen", das wichtigste Geschäft, der heiligste Beruf des Lebens gewesen; alles Andere lernte und trieb man nur für תוהה; man lernte, arbeitete, machte Geschäfte, vcrheirathete sich nur um ein Paar ruhige, ungestörte Minuten dem Tage abzugewiiulen, die man — jeder nach Begabung und Gelegcnheit — קובע?*תוהה sein könnte. Diese Stndien-Minuten waren der Gewinnst des Tages; und welche Verluste der Tag auch gebracht haben konnte, der Gewinnst war sicher, und mit dem geistigen Gewinnst dieser Studtcn-Minuten ging der Jude bereichert zu Bette. Woher dieses Wunder, daß uns die Judenfreundlichkett eines Gfrörer sportnamcnd das ״Studcntenvolk nennen konnte, und wir in der That Jahrhunderte hindurch uns mit Stolz also nennen