Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 2 (November 1861)
- Article
- Wie gewinnen wir das Leben für unsere Wissenschaft?
- Date
- 1861-11-01
- Page
- 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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für unsere Wissenschaft? 81 daß wir nicht erst jenseits zu Gott kommen, sondern Gott schon hinieden zu uns komme, in unserer Mitte weile und mit uns wandle, und schon unser Dasein auf Erden zu einem Paradiese gestalte, in welchem Gottes Stimme uns leitet und seine Cherubim uns schirmend und segnend umgeben — davon ist auf allen Blättern der Thora die Rede, und nur sobald wir bereit sind, dieser Gottes-Stimme zu gehorchen, uns mit unsrem ganzen Dasein und Leben ihr unterordnen, unser ganzes erwerbendes, genießendes und schaffendes Leben von den Diktaten dieser Gottes-Stimme gestalten zu lassen: nur dann werden wir unsern Kindern die Bücher des göttlichen Willens aufschlagen und sie zu den Erkcnntniß-Quellen eines Gesetzes führen, dessen Erfüllung unsere hinicdige und ewige Seligkeit bedingt und das die Basis bildet alles dessen, was wir glauben und hoffen! Wohl kennt die Auschauug des Pastoralschreibens, welches uns zu diesen Bemerkungen veranlaßt, unter den Glaubensbestandtheilen des inner» Cultus auch ״den Glauben an seine Lehre" und gerne glauben wir, daß hier unter ״Lehre" der ganze Complcr der Vorzugsweise und weit überwiegend aus Gesetzen, praktischen Geboten und Verboten bestehende Inhalt der Thora verstanden sei. Allein in dem weitern Verfolge schwindet dieser wesentlichste Inhalt so vollständig, daß der äußere Kultus, also die Kundgebung dieses innern ״Glaubens" in an sich wesenlose Ceremonien dergestalt aufgehen konnte, daß an der Spitze dieses äußern Cultus in erster Linie das Gebet zu stellen war. Das Pastoralschreiben ist zunächst, ja, seinem Inhalte nach ausschließlich an solche Brüderund Schwestern gerichtet, die höchstens zwei, dreimal im Jahre beten, nur höchstens zwei, dreimal im Jahre die Synagoge besuchen, bei deren Kindern man sich glücklich schätzen muH, um populär zu sprechen, Orcn und das Verständmß von ,שמע ,אלרי נשמר und שמנה עשרה und עשרת הרברוח voraussetzen zu können, ja die zum Th eil ihren Kindern die Theiluahme an dem jüdischen Religionsunterricht geradezu verbieten. Wie viel von der Erfüllung der תריג Gebote und Verbote, wie viel von der Erfüllung des göttlichen Gesetzes, wird das Leben dieser Eltern und Kinder aufzuweisen haben, und wie viel bessere, wahrere Juden werden nun sie und ihre Kinder sein, wenn ihre Kinder hebräisch Lesen und שמע n. s. w. verstehen, und